SlideShare a Scribd company logo
1 of 16
Download to read offline
Glossar
          Die wichtigsten Begriffe zur
Finanzmarkt- und Eurokrise von A bis Z

                 Redaktion: Wolfgang Greif & David Mum
Impressum:

          Herausgeber:   Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
                         Alfred-Dallinger-Platz 1, 1034 Wien
          Redaktion:     Mag. Wolfgang Greif, Abteilung Europa, Konzerne, Internationale Beziehungen &
                         Mag. David Mum, GPA-djp Grundlagenabteilung
                         (Quelle u.a. www.dgb.de)
          Layout:        Ulrike Pesendorfer, GPA-djp Marketing
          Fotos:         Fotolia, GPA-djp
          DVR 0046655, ZVR 576439352
          Stand: November 2011


Seite 2
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z


Wer die Finanzmarktkrise und die aktuelle „Eurokrise“ sowie ihre Ursachen und Hintergründe nach-
vollziehen will, der muss auch die Begriffe verstehen, die in politischen Debatten verwendet werden.
Dieses „Krisenglossar“ gibt eine Hilfestellung: von A wie ABS bis Z wie Zinslastquote.


ABS-Wertpapiere                                             liche Dienst zumeist stark eingeschränkt wird. Darüber
Asset Backed Securities (ABS), sind durch Kredite           hinaus bewirken exzessive Austeritätsmaßnah-
gedeckte Wertpapiere (asset = Kreditforderung, backed       men einen Rückgang des Wirtschaftswachstums, was
= gedeckt, securities = Sicherheiten/Anlagen). In ABS       die Gefahr der Rezession in sich trägt. Vielmehr muss
bündeln Banken ihre Kreditforderungen, die sie an priva-    es aus Sicht der Gewerkschaften darum gehen, „aus
te Schuldner haben. Diese Kreditforderungen lagern sie      der Krise heraus zu investieren“ und die dafür notwen-
dann in eine Zweckgesellschaft aus. Diese Gesellschaft      digen Mittel auch auf der Einnahmeseite etwa über die
gibt dann ABS-Wertpapiere heraus, mit denen Kreditfor-      Besteuerung von Vermögen und Spekulationsgewinnen
derungen de facto weiterverkauft werden. Wer Anteile        (>> Finanztransaktionssteuer) zu lukrieren.
an ABS kauft, erwirbt also im Prinzip den Anteil an ei-
nem Aktenordner voll mit Schuldscheinen. Können die         Automatische Stabilisatoren
Schuldner ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen, scheitert   Als die automatischen Stabilisatoren werden in
auch das ABS-Wertpapier.                                    der Wirtschaftswissenschaft und der wirtschaftspoliti-
                                                            schen Diskussion jene Einnahmen- und Ausgaben des
Im Vorfeld der Finanzkrise haben viele US-Banken ihre       öffentlichen Haushalts bezeichnet, die sich automatisch
„faulen“ Subprime-Kredite von Geringverdienern in ABS       (ohne gezielte wirtschaftspolitische Eingriffe) konjunk-
verpackt und weltweit an Investoren verkauft. So kamen      turstabilisierend verändern. In Abschwüngen stimulie-
die „faulen Kredite“ (>> Subprime, faule Kredite) ins in-   ren die automatischen Stabilisatoren die gesamt-
ternationale Finanzsystem.                                  wirtschaftliche Nachfrage, in Aufschwüngen dämpfen
                                                            sie diese. Der große Vorteil der Stabilisatoren (wozu
Antizyklische Fiskalpolitik                                 auch Sozialausgaben sowie die Abgabensysteme ge-
Unter antizyklischer Fiskalpolitik versteht man eine        hören) ist ihre kurzfristige und automatische konjunktu-
Fiskalpolitik, die sich entgegengesetzt zur Konjunktur      relle Wirkung.
verhält, d.h. im Konjunkturaufschwung erhöhen sich
die Staatseinnahmen stärker als die Staatsausgaben,         So führen etwa höhere Einkommen und mehr Beschäfti-
im Konjunkturabschwung steigen die Staatsausgaben           gung im Aufschwung zu höheren Steuerzahlungen. Die-
stärker als die Staatseinnahmen. Letztere können sogar      se sollen zum Abbau der Staatsverschuldung verwendet
sinken. Ziel der antizyklischen Fiskalpolitik ist,          werden. Im Abschwung nehmen die öffentlichen Haus-
dass extremen konjunkturellen Ausschlägen entgegen          halte (überproportional) weniger Steuern ein, während
gewirkt wird und somit eine stetigere wirtschaftliche       die Sozialausgaben (Arbeitslosenzahlungen) steigen
Entwicklung erreicht wird.                                  und die Nachfrage stabilisieren. Bei den Sozialaus-
                                                            gaben ist die Arbeitslosenunterstützung die wichtigste
Austerität                                                  Komponente. Ihre stabilisierende Wirkung ist umso hö-
Unter Austerität (engl. austerity, „Enthaltsamkeit“)        her je höher die Nettoersatzrate ist und je länger die
versteht man die strenge Sparpolitik eines Staates.         Bezugsdauer ist. Das Abgabensystem wirkt umso stabi-
Durch Drosselung laufender Ausgaben im öffentlichen         lisierender je höher sein Progressionsgrad ist.
Bereich, sprich durch strenge Führung des öffentlichen
Haushaltes bei gleichzeitiger Politik der Einschränkung     Bail-out - No Bail Out Klausel
des Massenkonsums, in Zeiten ökonomischer Krisen soll       Bail-out (engl., „aus der Klemme helfen“) bezeichnet
eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation herbei-    in den Wirtschaftswissenschaften den Vorgang der
geführt werden.                                             Schuldenübernahme, der Tilgung oder Haftungsüber-
                                                            nahme durch Dritte, insbesondere durch den Staat
Seitens der Gewerkschaften wird dieses Konzept, sich        oder staatliche Institutionen, im Fall einer Wirtschafts-,
einseitig „aus der Krise heraus sparen zu wollen“ scharf    Finanz- oder Unternehmenskrise.
kritisiert, weil durch die exzessive Kürzung der Staats-
ausgaben jene, die von staatlichen Transferleistungen       In der sog. "No-Bail Out"-Klausel in Art. 125 des
abhängig sind, am stärksten betroffen und der öffent-       EU-Vertrages wurde bislang festgelegt, dass ein Euro-


                                                                                                                         Seite 3
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



          Teilnehmerland nicht für Verbindlichkeiten und Schulden    dienen die Bilanzsumme und das Volumen spekulati-
          anderer Staaten aufkommen muss. Diese Klausel sollte       ver Derivatgeschäfte der Banken. Institute mit einer Bi-
          gewährleisten, dass für die Rückzahlung öffentlicher       lanzsumme unter 1 Milliarde werden nicht besteuert.
          Schulden die Staaten selbst verantwortlich bleiben. Ge-    Zwischen 1 Milliarde und 20 Milliarden beträgt die
          nau das soll nun im Zuge der Einführung eines ständi-      Abgabe 0,055%, über 20 Milliarden 0,085%. Speku-
          gen Rettungsmechanismus in der Euro-Zone (>> ESM)          lative Derivate werden unabhängig von der Bilanzsum-
          geändert werden, wozu allerdings eine Änderung der         me mit 0,013% besteuert. Die Regierung erwartet sich
          entsprechenden Bestimmungen zur Währungsunion in           aufgrund dieser Abgabe jährliche Einnahmen von 500
          den EU-Verträgen und eine entsprechende (parlamen-         Millionen Euro.
          tarische) Ratifizierung in allen EU-Mitgliedsstaaten not-
          wendig ist.                                                Bankenrettung
                                                                     Bezeichnet die Versuche von Staaten mit sog. „Rettungs-
          Bad Bank                                                   paketen“ Banken in der Wirtschafkrise vor dem Bank-
          Eine Bad Bank ist eine künstlich geschaffene Tochter-      rott zu bewahren. Dabei wurden die Banken bei der
          oder Zweckgesellschaft einer Bank, in die sie ihre „fau-   Rekapitalisierung druch die Staaten unterstützt. D.h. die
          len Kredite“ (>>Faule Kredite) auslagert. Zweck dieses     Staaten stellten den Banken Kapital zur Verfügung, da-
          Vorgehens ist, dass die „Kernbank“ mit bereinigten Bi-     mit diese die Mindestkapitalbedingungen trotz hohen
          lanzen auf den Finanzmärkten und gegenüber anderen         Abschreibungsbedarfes erfüllen konnten.
          Banken wieder kreditwürdig auftreten kann. Die Frage
          ist freilich immer, ob für die Verluste der Bad Bank       Am Markt hätten sich die Banken nur zu weitaus un-
          letztlich die Kernbank oder im Zuge der „Bankenret-        günstigeren Bedingungen oder gar nicht finanzieren
          tung“ (>> Bankenrettung) der Staat aufkommen wird.         können. Durch die staatlich garantierte Einlagensiche-
                                                                     rung wurde ein Run auf die Banken verhindert, der
          Bank für Internationalen Zahlungsausgleich –               diese ruiniert hätte. Die europäischen Banken wurden
          Baseler Ausschuss                                          im Zuge der Finanzkrise mit rund 300 Milliarden Euro
          Der 1974 von den G10-Staaten gegründete Basler             gestützt, also rund 3 Prozent der jährlichen Wirtschafts-
          Ausschuss für Bankenaufsicht ist bei der Bank für          leistung der EU.
          Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz
          in Basel angesiedelt. Mitglieder des Ausschusses sind      Basel III
          Repräsentanten der Bankenaufsicht und der Notenban-        Basel III ist ein vom Basler Ausschuss für Bankenauf-
          ken der G10-Staaten sowie inzwischen mehrerer Dut-         sicht (>> Basler Ausschuss) festgelegtes Regelwerk für
          zend weiterer Länder (darunter auch Österreich). Der       Banken und andere Finanzinstitutionen. Es legt fest,
          Baseler Ausschuss legt rechtlich nicht verbindliche        wie viel „Kernkapital“ Banken vorhalten müssen – also
          aber von den Mitgliedsstaaten in der Regel übernom-        wie hoch das Eigenkapital im Vergleich zum gehandel-
          mene Standards für Banken und den internationalen          ten Fremdkapital sein muss. Außerdem legt Basel III
          Finanzhandel fest. (>> Basel III) Die Bank für Inter-      eine Höchstverschuldungsgrenze für Banken fest. In der
          nationalen Zahlungsausgleich ist eine internatio-          EU werden die 2010 aufgestellten Basel-III-Regeln ab
          nale Organisation und gilt auch als „Zentralbank der       2012 umgesetzt.
          Zentralbanken“.
                                                                     Die Vorläufer von Basel III sind auch als Basel II (in der
          Bankenangabe                                               EU seit 2007 Pflicht, in den USA noch Ende 2010 nicht
          In Folge der Finanzkrise wird in vielen Staaten über       umgesetzt) und Basel I (seit 1997) bekannt.
          eine Bankenabgabe diskutiert. Die Konzepte sind
          dabei vielfältig. Grundsätzlich geht es aber immer um      Bretton Woods
          eine von Banken und Finanzinstituten zu entrichtende       Bretton Woods ist der Name eines Ortes im US-Bun-
          Abgabe, Gebühr oder Steuer, mit der sie sich an der        desstaats New Hampshire, in dem 1944 die so genannte
          Bewältigung der Finanzkrise beteiligen sollen oder mit     Bretton-Woods-Konferenz der Vereinten Nationen
          der die Risiken künftiger Krisen abgesichert werden.       zu Finanz- und Währungsfragen stattfand. Nach der
                                                                     Ortschaft ist deshalb auch das so genannte Bretton-
          In Österreich trat mit 1. Januar 2011 das Stabilitäts-     Woods-Abkommen, beziehungsweise Bretton-
          abgabegesetz in Kraft, welches Kreditinstitute zu einer    Woods-System benannt: Durch das Abkommen
          Bankenabgabe verpflichtet. Als Basis der Steuer             wurde ein System fester Wechselkurse zwischen den


Seite 4
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



internationalen Währungen mit dem US-Dollar als Leit-     abzusichern: Es ist im Prinzip eine Versicherung gegen
währung etabliert, dass durch Goldreserven gedeckt        sinkende oder steigende Kurse, beziehungsweise Prei-
wurde. 1973 wurde dieses feste Wechselkurssystem          se. Derivate können so ein sinnvolles Instrument für
aufgelöst. Auf der Bretton-Woods-Konferenz wur-           Unternehmen der Realwirtschaft sein, beispielsweise
den außerdem die Gründung der Weltbank (>> Welt-          für Landwirte, die sich gegen sinkende Getreidepreise
bank) und des Internationale Währungsfonds (>> IWF)       versichern oder für Exportunternehmen, die sich gegen
beschlossen, weshalb diese beiden Organisationen          Währungsschwankungen absichern.
auch Bretton-Woods-Institutionen genannt werden.
                                                          Von Investmentbanken und Finanzspekulanten wurden
Credit Default Swap                                       Derivate aber in enormem Ausmaß zweck-entfremdet
Ein Credit Default Swap (engl. für Kreditausfall-         als „Wette“ auf sinkende oder steigende Kurse ohne
Swap) ist ein Kreditderivat, das es erlaubt, Ausfallri-   realwirtschaftlichen Hintergrund genutzt. Mittlerweile
siken von Krediten, Anleihen oder Schuldentiteln zu       dienen Derivate überwiegend der Spekulation. Das
handeln. Ein Credit Default Swap ist ein Vertrag          Handelsvolumen mit Aktien und Anleihen entsprach
zwischen zwei Parteien, der Bezug auf einen Referenz-     2007 etwa der doppelten weltweiten Wertschöpfung.
schuldner (als Basiswert) nimmt. Eine Vertragspartei,     Der Handel mit Börsenderivate war 43 mal so hoch wie
der sogenannte Sicherungsnehmer, bezahlt eine lau-        das Welt BIP und der Handel mit außerbörslich gehan-
fend zu entrichtende sowie zusätzlich eine einmalig am    delten Derivaten 24 mal so groß.
Anfang zu zahlende Prämie. Dafür erhält er von sei-
nem Vertragspartner, dem Sicherungsgeber, eine Aus-       Economic Governance - Wirtschaftsregierung
gleichszahlung, sofern der Referenzschuldner ausfällt.    in der EU
                                                          Die Europäische Währungsunion beinhaltet zwar eine
Der Credit Default Swaps ähnelt damit einer Kredit-       gemeinsame Währungspolitik in der EURO-Zone. Die
versicherung. Allerdings erhält der Sicherungsnehmer      Wirtschafts-, Budget- und Steuerpolitik verbleibt aber bis
die Ausgleichzahlung unabhängig davon, ob ihm             heute in nationaler Kompetenz. Im Zuge der Krisenbe-
durch den Ausfall des Referenzschuldners überhaupt        wältigung wird immer mehr eine Wirtschaftsregierung
ein Schaden entsteht. Credit Default Swaps sind           gefordert, die künftig die Wirtschafts- und Finanzpolitik
also ein Instrument, mit dem unabhängig von bestehen-     der Euro-Zone koordinieren soll, um die Währungsuni-
den Kreditbeziehungen Kreditrisiken gehandelt werden      on krisenfester zu machen. Ein allgemein anerkanntes
können. Referenzschuldner sind typischerweise große,      Konzept für eine Wirtschaftsregierung gibt es bislang
kapitalmarktnotierte Unternehmen. Der Markt für Credit    nicht. Diese würde jedenfalls eine Abgabe von Kompe-
Default Swaps wuchs bis zur Finanzkrise ab 2007           tenzen auf die europäische Ebene bedeuten.
sehr stark an.
                                                          Im Rahmen der Einigung auf ein Economic Gover-
Defizitländer – (Export)Überschussländer                   nance-Paket wird der Sparkurs der EU verstärkt (>>
Als Defizitländer werden jene Staaten bezeichnet,          Sixpack). Durch striktere Haushaltskonsolidierung und
die mehr importieren als exportieren, als Überschuss-     eine Verschärfung des Stabilitäts- und Wachstumspakts
länder jene, die mehr exportieren als importieren.        (>> Stabilitäts- und Wachstumspakt). Die Kommission
Beide tragen zum Entstehen von makro-ökonomischen         setzte ihre zwei Hauptideen durch: Im präventiven Arm
Ungleichgewichten (Leistungsbilanzungleichgewichten)      des Stabilitäts- und Wachstumspakts orientiert sich das
bei. Die seit Bestehen der Euro-Zone enorm angestie-      jährliche Ausgabenwachstum eines Mitgliedsstaates zu-
genen wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den      künftig an der Wachstumsprognose des BIP, im korrek-
Exportüberschussländern und jenen mit steigend            tiven Arm muss die Verschuldung auf die 60%-Grenze
negativer Leistungsbilanz im Euro-Raum müssen als ei-     zurückgeführt werden.
ner der wesentlichen Gründe für die aktuelle Eurokrise
gelten.                                                   EFSF - Europäische Finanz-
                                                          stabilisierungsfazilität
Derivate                                                  Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität
Derivate sind nachgelagerte Finanzprodukte, die sich      (EFSF) ist ein Teil des ersten „Euro-Rettungsschirms“
von konkreten Werten oder Wertpapieren wie Aktien,        zur Stabilisierung des Euro (>> ESM). Die Unterstüt-
Anleihen oder Rohstoffpreisen ableiten. Der eigentliche   zungsregelung der Mitgliedstaaten der Eurozone zur
Zweck eines Derivats war es, sich gegen Kursrisiken       Stabilisierung der Europäischen Wirtschafts- und Wäh-


                                                                                                                       Seite 5
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



          rungsunion soll dazu dienen, „Staatspleiten“ aufgrund       higkeit. Nicht beteiligt sind Großbritannien, Schweden,
          der Überschuldung der Staatshaushalte einzelner Mit-        Tschechien und Ungarn. Der Euro-Plus Pakt schlägt
          gliedsländer und deren negative Folgen für die Ge-          Maßnahmen zur wirtschaftspolitischen Koordinierung
          meinschaftswährung abzuwenden. Die EFSF firmiert             vor, um eine größere Konvergenz der Volkswirtschaften
          als Aktiengesellschaft, Anteilseigner sind die Länder der   in der Eurozone zu erreichen und nennt folgende Ziele:
          Eurozone. Die EFSF soll über von ihr herausgegebene         Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung fördern sowie
          Anleihen – also de facto gemeinsame Staatsanleihen          Finanzstabilität und die langfristige Tragfähigkeit der
          aller Euroländer – bis zu 440 Milliarden Euro in den        öffentlichen Finanzen stärken, aber u.a. auch Erhöhung
          ersten Euro-Rettungsschirm einbringen.                      des Pensionsalters. Der Euro-Plus Pakt verpflichtet
                                                                      die beigetretenen Staaten zur Erreichung von Zielen,
          Diese von allen Euroländern abgesicherten Anleihen          allerdings nicht mehr zu konkreten Maßnahmen. Der
          haben derzeit das Rating AAA – die Bestnote. Um die         Schwerpunkt des Paktes liegt vor allem auf Bereichen,
          Schlagkraft für den EFSF zu erhöhen, soll seine Wir-        die in die einzelstaatliche Zuständigkeit fallen. Die Eu-
          kung entsprechend eines Beschlusses des Europäischen        roländer werden Fortschritte in diesem Pakt anhand ob-
          Rates vom Oktober 2011 durch weitere Kredithebel auf        jektiver Indikatoren – zum Beispiel der Lohnstückkosten
          mindestens eine Billion Euro vervielfacht werden.           messen.

          Eurobonds – Europäische Anleihen                            Der Euro-Plus-Pakt ergänzt die Abstimmung der
          Über Staatsanleihen nehmen Staaten Kredite am Kapi-         nationalen Haushaltsplanung (europäisches Semester)
          talmarkt auf, um so ihre Neuverschuldung zu finanzie-        und den Europäischen Stabilisierungsmechanismus (>>
          ren. Dafür zahlen sie einen bestimmten Zinssatz. Staa-      ESM), der ab 2013 als permanenter Krisenmechanis-
          ten mit guter Bonität, wie Deutschland oder Österreich      mus zukünftige Haushaltskrisen von Mitgliedstaaten
          zahlen einen relativ geringen Zinssatz, bei Volkswirt-      der Eurozone verhindern soll, sowie die im Rahmen
          schaften, die in den Fokus der Finanzmärkte geraten,        des sogenannten „Sixpack“, die vereinbarte Verschär-
          steigen die Zinsen dagegen gerade in Krisensituationen      fung des Stabilitäts- und Wachstumspakts (>>Sixpack).
          teilweise enorm an.                                         Während der Europäische Stabilisierungsmechanismus
                                                                      in den EU-Verträgen festgelegt ist (>>Stabilitäts- und
          Der Begriff Eurobonds (Europäische Anleihen) steht          Wachstumspakt), basiert der Euro-Plus-Pakt auf frei-
          für das Konzept gemeinsamer Staatsanleihen vieler           williger Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten.
          europäischer Staaten im Euro-Raum. Die Grundidee
          ist die, dass die Eurozone – im Gegensatz zur gegen-        Das bedeutet auch, dass es direkte Beteiligung natio-
          wärtigen Situation, in der jedes Land eigene Anleihen       naler Parlamente und keine Beschwerdemöglichkeit ge-
          begibt - als Ganze Anleihen auflegt und gemeinsam für        genüber nationalen Gerichten gibt.
          die Rückzahlung haftet.
                                                                      Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM)
          Würde eine Gruppe von Staaten gemeinsame Staats-            Der    Europäische        Stabilitäts-Mechanismus
          anleihen aufnehmen, würde sich der Zinssatz für die         (ESM) ist eine Unterstützungsregelung der Mitgliedstaa-
          Länder mit guter Bonität kaum verteuern, für die wirt-      ten der Eurozone zur Stabilisierung der Europäischen
          schaftlich schwächeren aber deutlich senken.                Wirtschafts- und Währungsunion, zur Abwendung von
                                                                      „Staatspleiten“ und deren negativen Folgen für die Ge-
          Mittels solcher Europäischer Anleihen würde man             meinschaftswährung. ESM steht im Zusammenhang
          die Spekulation gegen einzelne Staaten besser verhin-       mit der „Eurokrise“ sowohl für den ersten als auch den
          dern können, und Peripherieländern den Zugang zu            zweiten, dauerhaften „Euro-Rettungsschirm“ (>> Euro-
          „frischem“ Geld zu Konditionen ermöglichen, die es          Rettungsschirm). Mit dem Stabilitätsmechanismus sollen
          ihnen realistisch auch ermöglicht, die aufgebaute Schul-    im gegenseitigen Einvernehmen der Euro-Länder und
          denlast tragen zu können.                                   unter definierten Auflagen zahlungsunfähige Mitglied-
                                                                      staaten der Eurozone finanziell mit Krediten der Ge-
          Euro-Plus-Pakt                                              meinschaft der Euro-Staaten unterstützt werden.
          Der Euro-Plus-Pakt ist ein im Mai 2011 von 17 EU-
          Regierungen (Eurozone sowie Bulgarien, Dänemark,            Euro-Rettungsschirm
          Lettland, Litauen, Polen und Rumänien) verabschiedetes      Der erste „Euro-Rettungsschirm“ wurde im Mai
          Maßnahmenpaket zur Erhöhung der Wettbewerbsfä-              2010 als „Europäischer Stabilisierungsmecha-


Seite 6
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



nismus“ (>> ESM) geschaffen und von EU und Inter-             Regeln, um nicht zur Gefahr für die Gesamtwirtschaft
nationalem Währungsfonds bestückt. Der Europäische            zu werden. Seit den 1970er Jahren wurden die Finanz-
Stabilisierungsmechanismus besteht aus garantierten           märkte Welt immer stärker dereguliert. Das Volumen in-
Krediten über 750 Milliarden Euro, die sich aus drei          ternationaler Finanztransaktionen nahm stark und stetig
verschiedenen „Töpfen“ speisen: 60 Milliarden Euro            zu. Die Finanzmärkte wurden zu angebotsgetriebenen
aus der EU, 440 Milliarden stammen aus der Europäi-           Märkten an denen Anlagemöglichkeiten für Überschuss-
schen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), einer Zweck-     liquidität gesucht werden. Die Deregulierung seit den
gesellschaft, die Anleihen am Kapitalmarkt aufgibt, für       1970er Jahren bezog sich zum Einen auf den Abbau
die alle Mitgliedstaaten der Eurozone gemeinschaftlich        von Kapitalverkehrskontrollen, der dazu führt dass Ka-
haften und bis zu 250 Milliarden vom Internationale           pital international enorm mobil wurde. Zum anderen
Währungsfonds (>>IWF).                                        wurden viele neue Finanzprodukte zugelassen.

Zusätzlich zu den Hilfen für Griechenland wurden aus          Finanzspekulation
dem ersten Euro-Rettungsschirm, der noch bis                  Spekulation in der Wirtschaft ist eine auf Gewinnerzie-
Juni 2013 läuft, Hilfen für Irland und Portugal finan-         lung aus Preisveränderungen gerichtete Geschäftstätig-
ziert. Im Juli 2011 haben die Länder der Eurozone die         keit. Ziel jeder wirtschaftlichen Spekulation ist es, einen
Schaffung eines dauerhaft angelegten Rettungsschirms          finanziellen Vorteil durch die künftige Realisierung einer
beschlossen. Dieser heißt angelehnt an den ersten Ret-        erwarteten Markteinschätzung zu erzielen. Das finan-
tungsschirm „Europäischer Stabilitätsmechanis-                zielle Ergebnis einer jeden Spekulation besteht dabei
mus“ (ebenfalls ESM) und muss von den nationalen              stets in der Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufs-
Parlamenten bis Ende 2012 ratifiziert werden, um ab            preis eines Marktgegenstandes, bereinigt um Kosten
Mitte 2013 den ersten Euro-Rettungsschirm ablösen zu          des Handels (Transaktionskosten).
können.
                                                              Erfolgreiche Spekulationen sind hauptsächlich auf das
Europäische Zentralbank (EZB)                                 frühzeitige Erkennen und Ausnutzen von vermuteten
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die ge-                 Fehleinschätzungen des Marktes durch Marktbeteiligte
meinsame Zentralbank der Länder der Europäischen              über künftige Kursentwicklungen zurückzuführen. Kor-
Währungsunion. Die EZB bildet zusammen mit den                rigiert der Markt anschließend diese Fehleinschätzun-
nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedsländer das         gen, resultieren daraus Spekulationsgewinne. Schlägt
Europäische System der Zentralbanken (ESZB).                  die Spekulation fehl, so entstehen Spekulationsverluste.
Gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken jener
Mitgliedstaaten, die den Euro übernommen haben,               Finanztransaktionssteuer (FTT)
bildet die EZB das Eurosystem. Anteilseigner der EZB          Mit einer Finanztransaktionssteuer (engl. Finan-
sind die nationalen Zentralbanken der 27 EU-Staaten           cial Transaction Tax) würde jedes Finanzgeschäft auf
(also auch der Länder außerhalb der Eurozone). Öster-         den Kapital- und Finanzmärkten besteuert, ähnlich der
reich hält über die Österreichische Nationalbank 1,94         Mehrwertsteuer auf Waren und Dienstleistungen. Be-
Prozent an der EZB.                                           reits bei einem minimalen Steuersatz hätten die öffent-
                                                              lichen Haushalte erhebliche Mehreinnahmen. Je nach
Faule Kredite                                                 Konzept und Schätzung könnten allein in Österreich be-
Als „faule Kredite“ gelten Kreditforderungen einer            reits bei Steuersätzen zwischen 0,01 und 0,5 Prozent
Bank, von denen sie bereits weiß oder bei denen sie mit       zwischen 600 Mio bis zu 1,1 Milliarden Euro zusätzli-
hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen muss, dass            che Steuereinnahmen erzielt werden.
die Schuldner die Kredite nicht zurückzahlen können.
                                                              Die Finanztransaktionssteuer wäre ein sinnvolles
Finanzmarktregulierung                                        Instrument, um Finanzspekulanten als Verursacher der
Durch die Finanzmarktregulierung sollen die An-               Finanz- und Wirtschaftskrise an deren Folgekosten zu
leger vor Ausfallrisiken geschützt, Liquiditäts- und syste-   beteiligen, zusätzliche Haushaltsmittel für gute öffentli-
mische Risiken reduziert und somit die Geldversorgung         che Leistungen und die Armutsbekämpfung zu generie-
einer Volkswirtschaft sowie Preisstabilität gewährleistet     ren, Finanzströme transparenter zu machen und Roh-
werden. Die Finanzmarktregulierung erstreckt sich auf         stoff- sowie Wechselkurse zu stabilisieren und auch den
alle drei Bereiche des Finanzmarktes: Banken, Versiche-       enormen Umfang der spekulativen Finanztransaktionen
rungen und Wertpapierhandel. Finanzmärkte brauchen            effektiv einzuschränken (>> Hochfrequenzhandel).


                                                                                                                            Seite 7
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



          Eine allgemeine Finanztransaktionssteuer wurde             Hedgefonds
          bisher in keinem Land eingeführt. Jedoch bestehen in       Hedgefonds (engl. „to hedge“ = „absichern“) sind
          vielen Ländern Kapitalverkehrsteuern, die Teilaspekte      eine spezielle Art von Investmentfonds, die durch eine
          abdecken. Am häufigsten sind Börsenumsatzsteuern,           spekulative und riskante – oft auch kurzfristige Anla-
          die auf Umsätze an Wertpapierbörsen erhoben wer-           gestrategie – gekennzeichnet. Hedgefonds bieten
          den. In einem Entwurf für den mehrjährigen Finanz-         die Chance auf sehr hohe Renditen und tragen ent-
          rahmen der EU im Zeitraum 2014-2020 hat die Eu-            sprechend ein hohes Risiko. Typisch für Hedgefonds
          ropäische Kommission die Einführung einer EU-weiten        ist der Einsatz von Derivaten (>> Derivate) und Leer-
          Finanztransaktionssteuer vorgeschlagen. Diese              verkäufen (>> Leerverkäufe). Hiervon rührt auch der
          solle 2014 eingeführt werden. Der Steuersatz soll laut     irreführende Name, da diese Instrumente außer zur
          internen Berechnungen der Europäischen Kommission          Spekulation auch zur Absicherung (Hedging) verwen-
          0,1 Prozent auf den Handel von Aktien und Anleihen         det werden können. Außerdem versuchen Hedgefonds
          und 0,01 Prozent für Derivate von Aktien und Anlei-        über Fremdfinanzierung eine höhere Eigenkapitalrendi-
          hen betragen. Devisengeschäfte am Spotmarkt sowie          te zu erwirtschaften (>> Hebel- oder Leverage-Effekt).
          andere Derivate sollen von der Steuer befreit sein. In     Die meisten Hedgefonds haben ihren Sitz an Offshore-
          Summe ließen sich dadurch rund 50 Milliarden Euro          Finanzplätzen(>> Off-Shore-Zentren). Zum Jahresende
          einnehmen.                                                 2006 – also kurz vor Ausbruch der weltweiten Finanz-
                                                                     marktkrise - hatten Hedgefonds weltweit ein Volumen
          Giftpapiere                                                von rund 1,6 Billionen US-Dollar.
          Als Giftpapiere (englisch: toxic assets) bezeichnet
          man umgangssprachlich Wertpapiere und Finanz-              Hochfrequenzhandel (HFT)
          produkte, deren Werte so stark gesunken und deren          Beim Hochfrequenzhandel (HFT, englisch: High
          Entwicklungsaussichten so schlecht sind, dass es für sie   Frequency Trading) nutzen Investmentbanken Compu-
          keine Käufer und keinen funktionierenden Markt mehr        terprogramme, um durch sekundenschnelle Käufe und
          gibt. Giftpapiere müssten von Banken unter regulä-         Verkäufe von Aktien und anderen Wertpapieren Ge-
          ren Bedingungen abgeschrieben werden. In Folge der         winn zu machen. Dazu benötigen diese Banken „Vor-
          Finanzkrise wurde nach Möglichkeiten gesucht, die          abinformationen“, die sie von manchen Börsen (wie
          Bankenbilanzen von solchen Giftpapieren zu entlas-         der amerikanischen NASDAQ) gegen Gebühr erhal-
          ten, da deren Anteil im Portfolio mancher Banken einen     ten. Millisekunden vor der Durchführung eines Aktien-
          existenzgefährdenden Umfang angenommen hatte.              kaufs eines Händlers erhalten die Computerprogramme
          Eine der diskutierten und in vielen Ländern eingeführten   der HFT-Banken dann diese Information. So können
          Lösungen war die Einrichtung von Bad Banks (>> Bad         sie die entsprechende Aktie dann automatisiert kaufen,
          Banks).                                                    den Kurs dadurch minimal steigern und an den poten-
                                                                     ziellen Käufer zum minimal höheren Preis gleich wieder
          „Haircut“ - Schuldenschnitt                                verkaufen. Die Gewinnspanne der einzelnen Transakti-
          Schuldenschnitt bedeutet, dass einem Schuldner ein         onen ist kaum relevant, durch das automatisierte Ver-
          Teil seiner Schulden dauerhaft erlassen wird. Der Schul-   fahren sind die Summen der Transaktionen aber enorm:
          denschnitt wir auch „harte“ Umschuldung genannt. Das       Laut Financial Times macht der HFT bereits 50 Prozent
          bedeutet, dass einem Land ein Teil seiner Schulden dau-    der Wertpapier-Umsätze in den USA aus. Sowohl in
          erhaft erlassen wird. Im Unterschied zu einer Insolvenz    den USA als auch in Europa gibt es Bestrebungen den
          müssen die Gläubiger bei einem Schuldenschnitt             Hochfrequenzhandel zu verbieten.
          nicht gänzlich auf alle ihre Forderungen verzichten.
          Umschuldungen auf Staatsebene werden meist von in-         Internationaler Währungsfonds (IWF)
          ternationalen Organisationen und Institutionen wie In-     Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine
          ternationalem Währungsfonds, Weltbank oder Pariser         Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UNO) und
          Club koordiniert und begleitet. Diese Organisationen       wurde ebenso wie die Weltbank (>> Weltbank) 1944
          und die Gläubigerstaaten erlassen Bedingungen und          in Folge der Konferenz von Bretton Woods (>> Bretton
          Auflagen, die an die Umschuldungsmaßnahmen ge-              Woods) gegründet. Fast alle Mitglieder der UNO sind
          knüpft werden (>> Troika). Sind privatwirtschaftliche      auch stimmberechtigte Mitglieder des IWF – je nach
          Unternehmen und Kreditinstitute die Gläubiger von          Höhe ihrer Kapitaleinlagen. Das meiste Kapital des
          Staatsschulden, erfolgen Verhandlungen über die Um-        IWF stellen die USA mit fast 16 Prozent (demnach auch
          schuldung im Londoner Club.                                ein Stimmanteil von 16 Prozent) sowie Deutschland und


Seite 8
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



Japan mit jeweils rund sechs Prozent. Österreich hält      der Handel meist den größten Teil davon ausmacht,
einen Kapitalanteil von unter einem Prozent. Aufga-        heißt ein Leistungsbilanzdefizit normalerweise,
be des IWF ist es, die internationale Währungspolitik      dass eine Volkswirtschaft mehr importiert als exportiert.
zu koordinieren und die internationalen Finanzmärkte       Ein Leistungsbilanzdefizit ist in aller Regel ein In-
zu stabilisieren. Dazu kann der IWF unter anderem          dikator für eine schlechte Wettbewerbsfähigkeit (>>
Kredite (auch an Mitgliedsstaaten) vergeben, um Zah-       Defizitländer/Überschussländer; Wirtschaftliche Un-
lungsausfälle zu vermeiden. Der IWF gehört neben           gleichgewichte).
der Europäischen Zentralbank und der Europäischen
Kommission zu jenen drei Institutionen, die im Zuge der    Leverage - Hebelwirkung
die Konsolidierungs- und Sparbemühungen der „Krisen-       Der englische Begriff Leverage (wörtlich: Hebelwir-
länder“ überprüfen und ihr Votum darüber abgeben,          kung) wird im Finanzsektor in der Regel für den so genann-
ob die jeweils nächste Kreditrate aus dem „Rettungs-       ten Leverage-Effekt verwendet. Der Leverage-Effekt
paketen“ ausgezahlt werden (>> Troika). Der IWF            beschreibt das finanzwirtschaftliche Phänomen, wo-
vergibt Kredite gegen die Auflage von Konditionen,          nach eine kleine Veränderung eines Kurses oder Preises
die einem neoliberalen Politikmodell beruhen: Privati-     (Basiswert) zu einem großen Effekt auf einen anderen
sierung von Staatsbetrieben, Kürzung von (Sozial)aus-      Kurs oder ein anderes Finanzprodukt hat, das sich auf
gaben, Deregulierung der Märkte, Liberalisierung des       den Basiswert bezieht. So entstehen auf den Finanz-
Kapitalverkehrs. Die wirtschaftspolitischen Prioritäten    märkten sich selbst verstärkende Ausschläge nach oben
des kreditnehmenden Landes haben sich gänzlich der         oder unten. Der Leverage-Effekt ist ein typisches
Rückzahlung der Schulden gegenüber dem Ausland zu          Phänomen von Derivaten (>> Derivate).
richten.
                                                           Maastricht-Kriterien
Leerverkäufe                                               (EU-Konvergenzkritierien)
Leerverkäufe sind Geschäfte mit Wertpapieren, die          Die so genannten Maastricht-Kriterien (eigentlich
der Verkäufer zu einem in der Zukunft liegenden Zeit-      EU-Konvergenzkriterien) wurden 1992 im Vertrag
punkt zum Verkauf anbietet, ohne in der Gegenwart be-      von Maastricht zwischen den EU-Staaten vereinbart
reits diese Wertpapiere zu besitzen. Bei ungedeckten       und bildeten später die Grundlage für die Mitglied-
Leerverkäufen hat sich der Verkäufer (im Gegensatz         schaft in der Europäischen Währungsunion, also der
zu gedeckten Leerverkäufen) noch nicht einmal einen        Euro-Zone. Die drei wichtigsten Kriterien sind Preissta-
Kaufanspruch auf Wertpapiere gesichert, die er selbst      bilität, Haushaltsstabilität und die Stabilität der Zinssät-
bereits weiterverkauft. Bei gedeckten Leerverkäu-          ze von Staatsanleihen. In puncto Preisstabilität darf die
fen besitzt der Verkäufer immerhin bereits einen Teil      Inflation eines Landes nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte
der Wertpapiere oder hat sich zumindest ein Vorkaufs-      über der Durchschnittsinflation der drei stabilsten EU-
recht auf die entsprechenden Wertpapiere gesichert.        Länder liegen.
Bei Leerverkäufen gewinnt der Verkäufer nur dann,
wenn sich der Kurs für das gehandelte Wertpapier bis       Das Kriterium der Haushaltsstabilität fordert von den
zum tatsächlichen Verkaufszeitpunkt fällt, wenn er es      EU-Staaten, dass ihre gesamte Staatsverschuldung nicht
also in der Gegenwart zu einem teureren Preis verkauft,    mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus-
als er es kurz vor dem tatsächlichen Übergabezeitpunkt     machen darf, die jährliche Neuverschuldung nicht mehr
selbst kaufen muss. Bei Leerverkäufen wetten Spe-          als drei Prozent des BIP. Außerdem darf der Zinssatz für
kulanten also wie bei Derivaten (>> Derivate) auf die      langfristige Staatsanleihen (siehe Staatsanleihen) nicht
Kursentwicklung, ohne dass die Geschäfte durch real-       mehr als zwei Prozent über den durchschnittlichen Zins-
wirtschaftliche Werte gedeckt sind. Bei allen Diskussio-   sätzen der drei stabilsten EU-Länder liegen.
nen hinsichtlich effektiver Maßnahmen zu einer effizien-
ten Regulierung der Finanzmärkte steht das Verbot von      Offshore-Zentren
Leerverkäufen an vorderster Stelle (>> Finanzmarkt-        Als Offshore-Zentren bezeichnet man Standorte,
regulierung).                                              die sich durch niedrige Steuern und eine minimale Fi-
                                                           nanzmarktaufsicht und -regulierung auszeichnen. An-
Leistungsbilanzdefizit                                      sässige Banken und andere Finanzinstitutionen wickeln
Die Leistungsbilanz ist der Unterschied zwischen           einen Großteil ihrer Geschäfte mit dem Ausland ab und
den Exporten und Importen von Gütern, Dienstleistun-       Transaktionen und Anlagesummen sind im Vergleich zu
gen und bestimmten Kapitalerträgen und -transfers. Da      den sonstigen Wirtschaftsabläufen extrem groß. Viele


                                                                                                                          Seite 9
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



           Offshore-Finanzplätze liegen auf kleinen Inseln,              Staat im Aufschwung bei steigenden Steuereinnahmen
           zumeist handelt es sich um ehemalige britische Kolo-          seine Ausgaben erhöht und damit die steigende Nach-
           nien oder Dependenzen woher ursprünglich auch die             frage noch weiter antreibt und im Wirtschaftsabschwung
           Bezeichnung stammte (offshore – dt.: außerhalb der            bei sinkenden Steuereinnahmen seine Ausgaben redu-
           Küstengewässer liegend). Die Regulierung solcher Off-         ziert, den allgemeinen Nachfragemangel verstärkt und
           shore-Finanzplätze, die mitunter als Steueroasen              damit den Abschwung vertieft (>> Austeritätspolitik).
           fungieren gehört u.a. zu den zentralen Forderungen
           hinsichtlich einer effektiven Finanzmarktregulierung (>>      Rating
           Finanzmarktregulierung).                                      Mit einem Rating (wörtliche Übersetzung: Bewertung)
                                                                         wird in der Finanzwirtschaft die Sicherheit einer Anlage
           Private Equity                                                bewertet. Ratings werden von Ratingagenturen (>>
           Private Equity (wörtlich übersetzt: privates Kapital)         Ratingagenturen) in Form von Rating-Noten vergeben.
           bezeichnet „außerbörsliches Eigenkapital“, also die Be-       Die Bestnote ist AAA, die schlechteste Note je nach
           teiligung privater Kapitalgeber an nicht-börsennotierten      Ratingsystem C oder D. Nicht nur Aktien-Indizes und
           Unternehmen. Private-Equity-Gesellschaften (Ka-               Anlageprodukte haben inzwischen ein Rating, auch
           pitalbeteiligungsgesellschaften) kaufen sich im Auftrag       Staaten werden auf ihre Kreditwürdigkeit hin bewertet.
           privater Investoren (oft auch Hedgefonds (>> Hedgfe-          Die Rating-Note eines Staates kann massive Auswirkun-
           fonds) bei Unternehmen ein.                                   gen auf die Zinssätze haben, die er für seine Staatsan-
                                                                         liegen zahlen muss.
           Private-Equity Fonds beteiligen sich an Unterneh-
           men oder übernehmen diese ganz. Dann werden diese             Ratingagenturen
           zerlegt: profitable Teile werden gleich verkauft, der Rest     Ratingagenturen sind sind keine staatlichen oder
           wird profitabel gemacht und schließlich mit Gewinn             öffentlich-rechtlichen Institutionen, sondern gewinn-
           veräußert. Private-Equity Firmen sind im Gegen-               orientierte Privatunternehmen, die die Kreditwürdigkeit
           satz zu Hedge Fonds (>> Hedgfefonds) auch an klei-            (Bonität) von Unternehmen, Staaten und Finanzproduk-
           nen Unternehmen interessiert oder an Unternehmen die          ten bewerten. Die Agenturen fassen jedes Ergebnis (Ra-
           (noch) nicht an der Börse sind. Objekte sind privatisier-     ting) in einem Ratingcode zusammen, der in der Regel
           te Firmen, KMUs, die Nachfolger suchen oder verkaufte         von AAA bzw. Aaa (beste Qualität) bis D (zahlungsun-
           Tochterfirmen oder börsenotierte Unternehmern, die als         fähig) reicht. Wer ein gutes Rating hat, kann sich auch
           unterbewertet eingeschätzt werden. Private-Equity             günstiger verschulden und zu niedrigeren Zinsen Geld
           Fonds wollen ein Unternehmen in der Regel nach 3 bis          ausborgen. Derzeit haben noch 6 Staaten der EURO-
           4 Jahren mit Gewinn wieder abstoßen. Die sehr hohen           Zone die beste Bewertung (dreifaches A, triple A):
           Renditeziele von 15 bis 40 % pro Jahr können durch            Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Österreich, die
           „übliche“ Mittel wie Investitionen oder Produktivitätsstei-   Niederlande und Finnland.
           gerungen nicht erreicht werden. Daher werden auch
           massiver Personalabbau und Verschlechterung der Be-           Das internationale Finanzmarkt-Rating wird heute von
           zahlung eingesetzt.                                           drei großen US-Ratingagenturen Fitch, Moody’s
                                                                         und Standard&Poor’s dominiert. An allen drei großen
           Der Kauf von Unternehmen wird von den Private-                Agenturen sind auch Finanzinvestoren als Eigentümer
           Equity Gesellschaften oft über Kredit finanziert.              beteiligt. Da Schuldner und nicht Investoren die größte
           Die Schulden werden aus den Barmitteln der übernom-           Einnahmequelle der Agenturen darstellen, liegt hier die
           menen Firma abgezahlt. Die Erhöhung der Verschul-             Gefahr eines Interessenkonfliktes nahe.
           dung (Fremdkapitalfinanzierung) stellt eine einfache
           Möglichkeit dar, die Rendite auf das dadurch viel gerin-      Ratingagenturen sind im Verlauf der Finanzkrise
           gere Eigenkapital zu steigern. Die hohe Verschuldung          ab 2007 in die Kritik geraten, weil sie hochriskante
           stellt ein hohes Risiko für die Unternehmen dar, sobald       Finanzprodukte, die mit zum „Crash“ der Finanzmärk-
           die Wirtschaft in einen Abschwung gerät.                      te führten, als sichere Anlagen bewertet hatten. Auch
                                                                         ENRON und Lehman Brothers erhielten bis zum Zusam-
           Prozyklische vs konjunktur-                                   menbruch Bestnoten. In der „Schuldenkrise“ verschie-
           gerechte Budgetpolitik                                        dener Euro-Länder ab 2009 gerieten die Agenturen
           Eine prozyklische Budgetpolitik verstärkt konjunk-            erneut in die Kritik, weil sie die Krise durch das will-
           turelle Schwankungen. Dies geschieht dann, wenn der           kürlich wirkende Herabstufen der Ratings von Ländern


Seite 10
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



wie Griechenland, Portugal, Irland oder französischer        konjunkturbereinigt auf 0,35 Prozent des Bruttoinland-
Großbanken noch verschärften. Deshalb fordern Kriti-         produktes (BIP) zu begrenzen. Werden in konjunktur-
ker Ratingagenturen besser zu kontrollieren. In Eu-          schwachen Phasen mehr Kredite aufgenommen, muss
ropa wird über die Gründung einer europäischen Ra-           dies in konjunkturell starken Phasen wieder ausgegli-
tingagentur diskutiert, um die Macht der drei großen         chen werden.
US-Ratingagenturen zu brechen.
                                                             Der Beschluss über die Einführung einer sog. Schul-
Realwirtschaft                                               denbremse ist wirtschaftspolitisch bedenklich (kon-
Die Realwirtschaft bildet zusammen mit dem Fi-               traktive Effekte) und wird zu massiven Sparpaketen
nanzsektor (Finanzwirtschaft) die beiden grundlegen-         führen. Die Schuldenbremse suggeriert, die Staats-
den Teile der Gesamtwirtschaft. Die Realwirtschaft           verschuldung wäre ein Problem unverantwortlicher
besteht aus Dienstleistungs- und Industrieunternehmen        Budgetpolitik, was angesichts der Finanz- und Wirt-
sowie aus landwirtschaftlichen Betrieben, die konkre-        schaftskrise mitnichten der Fall ist. Der Schuldenstand
te Werte produzieren oder generieren. Im Gegensatz           in der Eurozone sank von 72,8% vor ihrer Gründung
dazu handelt die Finanzwirtschaft lediglich mit Finanz-      auf 66,1% des BIP 2007. Erst die Bankenrettungen und
werten. Ursprünglicher Zweck der Finanzwirtschaft war        Konjunkturinvestitionen im Rahmen der Finanzmarkt-
es, die Realwirtschaft mit Finanzmitteln und Krediten zu     krise nach 2007 ließen die Staatsausgaben in den
versorgen. Im Zuge der Deregulierung der internationa-       meisten EU-Mitgliedsstaaten wieder enorm ansteigen.
len Finanzmärkte hat sich die Finanzwirtschaft weitge-       Eine Schuldenbremse kann zur Investitions-, Be-
hend von der Realwirtschaft abgekoppelt, so dass             schäftigungs- und Wachstumsbremse werden. Um die
die gehandelten Finanzwerte oft nicht mehr von rea-          0,35% an strukturellem Defizit zu erreichen, müssten in
len Werten gedeckt sind und die Gefahr von „Finanz-          Österreich bis 2017 9 Mrd. EUR im jährlichen Budget
blasen“ steigt.                                              eingespart werden. Konjunkturelles Gegensteuern ist
                                                             dann nur noch sehr eingeschränkt möglich.
Rekapitalisierung der Banken
Bankenrekapitalisierung bedeutet die Erhöhung                Sixpack – Verschärfung des europäischen
des Kernkapitals der Banken, entweder durch Finan-           Stabilitätspaktes
zierung am Markt oder durch staatliche Aufstockung           Im 3. Quartal 2011 wurden vom EU Ministerrat und
ihres Kapitals. Als ein Resümee der Finanzmarktkrise         dem EU-Parlament in insgesamt 6 europäischen Rechts-
wird eine höhere Eigenkapitalausstattung der Banken          akten (daher der Begriff „Sixpack“) eine Verschärfung
gefordert. Das Eigenkapital soll adäquat zu den Risiken      des europäischen Stabilitätspaktes (>> Stabilitäts- und
sein und ausreichen, um die Einlagen der Gläubiger           Wachstumspakt) verabschiedet, mit dem Ziel die euro-
nicht zu gefährden. Eine höhere Eigenkapitalquote soll       päische Schuldenkrise zu überwinden. Defizitsünder
die Banken bei Krisen widerstandsfähiger machen. Al-         sollen früher und härter bestraft werden, die EU-Kom-
lerdings bedeutet eine höhere Eigenkapitalquote auch,        mission wird gestärkt. Dies stellt die größte Reform
dass die Banken weniger Kredite vergeben können und          der Währungsunion seit Einführung des Euro dar. Die
damit auch geringere Umsätze und Gewinne erzielen.           Kommission kann künftig in die nationalen Haushalts-
                                                             planungen der 17 Euroländer eingreifen und bei der
Schattenbanken                                               Steuergesetzgebung und Sozialleistungen mitreden.
Als Schattenbanken gelten Institutionen, die zwar            Zudem kann sie Regierungen leichter als bisher zur
bankenähnliche Finanzgeschäfte machen, aber nicht            Senkung der Staatsausgaben oder anderen wirtschafts-
als Finanzinstitut registriert sind. Bekanntestes Beispiel   politischen Korrekturen zwingen und auch Kontrollen
für Schattenbanken sind Hedgefonds (>> Hedge-                vor Ort vornehmen:
fonds).
                                                             So soll es etwa zur vorweg Koordinierung der nationa-
Schuldenbremse                                               len Haushaltspolitiken sowie zur Beobachtung und zu
Als Schuldenbremse werden institutionelle Selbst-            Gegenmaßnahmen bei makroökonomischen Ungleich-
bindungen bezeichnet, durch die Regierungen sich und         gewichten kommen. Das jährliche Wachstum öffentli-
zukünftigen Regierungen massiv die Möglichkeit ein-          cher Ausgaben darf das mittelfristige Wirtschaftswachs-
grenzen, Kredite zur Finanzierung von Staatsausgaben         tum nicht überschreiten, es sei denn die Ausgaben sind
aufzunehmen. Auch in Österreich soll der Bund darauf         durch einnahmeseitige Maßnahmen gedeckt. Wenn
verpflichtet werden, die jährliche Netto-Kreditaufnahme       die öffentliche Verschuldung den Wert von 60% des BIP


                                                                                                                       Seite 11
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



           übersteigt, muss die Abweichung im Schnitt der letzten      schen und internationalen Großbanken „verschuldet“.
           3 Jahre jährlich um ein Zwanzigstel reduziert werden.
           Darüber hinaus wird ein Verfahren der umgekehrten           Staatsschuldenkrise
           Mehrheit eingeführt: Sanktionen bei Verfehlungen, die       Die Staatsschuldenkrise im Euroraum ist eine Fol-
           die Kommission vorschlägt, gelten als verfehlt wenn der     ge der Finanzmarktkrise seit 2008. Im Zuge der Ban-
           Rat nicht binnen 10 Tagen mit qualifizierter Mehrheit        kenrettungen und der Wirtschaftskrise 2009 ist die
           dagegen stimmt.                                             öffentliche Verschuldung in der EU stark ange-stiegen.
                                                                       Die Finanzmärkte waren bei manchen hochverschul-
           Der ÖGB kritisiert, dass mit diesem „Sixpack“ eine          deten Staaten nur mehr bereit diesen zu sehr hohen
           beschäftigungswirksame Wachstumspolitik in der              Zinsen Geld zu borgen, weshalb sich diese nicht mehr
           EU weiter erschwert werde, der einseitige Sparkurs          refinanzieren konnten. 2010 hat Griechenland die tat-
           und die wirtschaftliche und soziale Krise in einigen        sächliche Höhe seiner defizitären Haushaltslage sowie
           Mitgliedstaaten werden weiter verschärft. Ein neuer         seines übermäßigen Verschuldungsgrads offengelegt
           Mechanismus zur Bekämpfung „makroökonomischer               und konnte sich danach am Kapitalmarkt nicht mehr
           Ungleichgewichte“ soll schließlich Staaten mit einem        ausreichend refinanzieren und damit auch die fälligen
           Leistungsbilanzdefizit auf einen strikt neoliberalen Kurs    Schulden und Zinsen nicht mehr bedienen. Neben Grie-
           der Wettbewerbsfähigkeit bringen, notfalls auch mit         chen-land mussten sich bislang auch Irland und Portugal
           Sanktionen. Die Politik von „Überschussstaaten“, die        beim europäischen Rettungsschirm (>> ESFS - European
           mit niedrigen Lohnsteigerungen und Sozialabbau ihre         Financial Stability Facility) Geld leihen.
           Wettbewerbsfähigkeit zu Lasten anderer Mitgliedstaa-
           ten erhöhen, bleibt dagegen weitgehend unangetastet.        Staatsverschuldung
                                                                       Die Staatsverschuldung einer Volkswirtschaft wird
           Stabilitäts- und Wachstumspakt                              entweder in absoluten Zahlen der Landeswährung
           Der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt              oder im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt als Pro-
           fordert im Wesentlichen, dass im Zusammenhang mit           zentsatz angegeben. Für die Staatsverschuldung gibt
           dem Euro die Mitgliedsstaaten in wirtschaftlich norma-      es verschiedene Definitionen und Begriffe: Der Gesamt-
           len Zeiten einen annähernd ausgeglichenen Staatshaus-       schuldenstand eines Staates ist die Summe der Staats-
           halt sowie eine Begrenzung ihrer öffentlichen Verschul-     anleihen (>> Staatsanleihen), mit denen der Staat bei
           dung beachten. Der im EU-Recht verbindlich festgelegte      den Käufern der Staatsanleihen „verschuldet“ ist. Die
           Stabilitäts- und Wachstumspakt gibt die sog.                Neuverschuldung ist die Differenz zwischen dem Ge-
           „Maastricht-Kriterien“ vor (>> Maastricht-Kriterien), wo-   samtschuldenstand des aktuellen Jahres zum Vorjahr.
           nach Staaten die Höhe ihres jährlichen Haushaltsdefi-        Sowohl der Gesamtschuldenstand als auch die Neuver-
           zits auf 3% ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) und den       schuldung werden oft im Verhältnis zum BIP angege-
           Stand ihrer öffentlichen Verschuldung auf 60% ihres         ben. Die Maastricht-Kriterien in den EU-Verträgen (>>
           BIPs begrenzen müssen. Die Euro-Teilnehmerstaaten           Maastricht-Kriterien) sehen etwa eine Gesamtverschul-
           sind verpflichtet, dem ECOFIN-Rat (EU Finanzminis-           dung von höchstens 60 Prozent des BIP und eine Neu-
           terrat) jährlich aktualisierte Stabilitätsprogramme vor-    verschuldung von höchstens drei Prozent des BIP vor.
           zulegen.
                                                                       Steueroasen
           Staatsanleihen                                              Als Steueroasen werden Staaten oder Gebiete be-
           Auch Staaten müssen sich für ihre Neuverschuldung           zeichnet, die keine oder besonders niedrige Steuern
           „frisches“ Geld besorgen. Neben Steuereinnahmen ge-         auf Einkommen oder Vermögen erheben und so für
           ben sie dafür sog. Staatsanleihen heraus. Wer eine          Kapital aus Ländern mit höheren Steuersätzen attrak-
           Staatsanleihe kauft, gewährt dem Staat im Prinzip           tiv sind. Steueroasen sind meist kleine Länder, die im
           einen Kredit zu einem bestimmten Zinssatz. Staaten          Verhältnis zu den dort stattfindenden finanziellen Trans-
           können ihre Staatsanleihen entweder auf den nationa-        aktionen und dem vorhandenen Kapital eine geringe
           len oder internationalen Finanzmärkten platzieren (also     Wirtschaftsaktivität aufweisen und über eine wenig
           an Banken und Großanleger verkaufen) oder private           regulierte Wirtschaftspolitik verfügen. Steueroasen
           Anlegern anbieten. Japan beispielsweise verkauft einen      ermöglichen es Konzernen, Steuern zu sparen. Vermö-
           Großteil seiner Staatsanleihen an die eigenen Bürger/       gende Privatpersonen können durch Verlagerung ihres
           innen und inländische Investoren, Griechenland hinge-       Wohnsitzes Steuerzahlungen entgehen. Dabei werden
           gen ist zu einem erheblichen Teil bei vielen europäi-       Einkommen, die in Hochsteuerländern erzielt werden,


Seite 12
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



nicht dort versteuert. Steueroasen verwickeln größe-        faule Kredite) in gebündelte Wertpapiere wie die ABS
re Staaten, die umfangreiche öffentliche Leistungen zur     (siehe Asset Backed Securities) und verkauften sie an
Verfügung stellen, in einen Wettbewerb um niedrige          Banken und Investoren (sog. Subprime-Markt). So
Steuern. Das Tax Justice Network (eine NGO) schätzt         gelangten die „faulen Kredite“ in den internationalen
die durch Offshore-Finanzplätze (>> Offshore-Zentren)       Finanzhandel und wurden zu einem wesentlichen An-
entgangenen Steuereinnahmen auf weltweit etwa 255           stoß der Finanzkrise ab 2007 – daher auch der Begriff
Milliarden Dollar pro Jahr. So werden etwa die entgan-      Subprime-Krise.
genen Steuereinnahmen der USA werden auf etwa 70
Milliarden Dollar geschätzt.                                Too big to fail - Systembanken
                                                            Als systemrelevant oder too big to fail („zu groß,
Stresstest für Banken                                       um zu scheitern“) bezeichnet man Unternehmen, meist
Stresstests sind ein Instrument des Risikomanagements.      Finanzinstitutionen wie Banken oder Versicherungen
Mittels Szenariotechniken werden hierbei die Auswir-        bei denen man annimmt, dass sie allein aufgrund ih-
kung einer außergewöhnlich starken Veränderung exo-         rer Größe faktisch davor geschützt werden, insolvent
gener Faktoren auf Unternehmen, Anlageportfolien, Ren-      zu werden. Als Systembanken gelten Institute, de-
diten oder ähnlichem untersucht. Auch das europäische       ren Bestandsgefährdung aufgrund ihrer Größe, der
Bankensystem wird seit 2010 Stresstests unterzogen.         Intensität ihrer Interbankenbeziehungen und ihrer en-
Bei diesem wird eine heftige Rezession simuliert, die mit   gen Verflechtung mit dem Ausland erhebliche negative
einem Einbruch an den Aktienbörsen und Turbulenzen          Folgeeffekte bei anderen Kreditinstituten auslösen und
am Markt für Staatsanleihen einhergeht. 2010 wurden         zu einer Instabilität des Finanzsystems führen könnte.
beim Stresstest insgesamt 91 europäische Großbanken         Wenn Unternehmen oder Geschäftspartner davon aus-
unter die Lupe genommen. Durchgefallen sind sieben          gehen, ein Unternehmen sei aufgrund seiner Größe vor
kleinere Institute, darunter fünf spanische Sparkassen.     jeder Insolvenzgefahr geschützt, schafft dies Anreize,
Den Stresstest 2011 haben von 90 geprüften Banken           Risiken einzugehen, die ansonsten nicht eingegangen
8 Banken nicht und 16 nur knapp bestanden.                  würden.

Structured Investment Vehicle (SIV)                         Tobin-Tax
So genannte Structured Investment Vehicle (SIV)             Die Tobin-Steuer (engl. Tobin-Tax) wurde 1972 von
sind Zweckgesellschaften, die von Finanzinstituten ge-      James Tobin vorgeschlagen. Diese Steuer sollte auf
gründet werden, um Wertpapiere zu vertreiben, die           internationale Devisengeschäfte eingehoben werden,
auf Forderungen beruhen (also Kreditforderungen an          um mit sehr niedrigen Steuersätzen auf sämtliche in-
Schuldner oder Liefer- und Warenforderungen an Pro-         ternationale Devisentransaktionen die kurzfristige Spe-
duzenten und Dienstleister). Im Vorfeld der Finanzkrise     kulation auf Währungsschwankungen einzudämmen.
wurden verstärkt „faule Kredite“ (>> faule Kredite) von     Eine Steuer, die alle Finanztransaktionen umfasst ist ein
Banken in ein SIV ausgelagert, um sie zu „refinanzie-        weitgehenderes Konzept als die Tobin-Tax, die nur
ren“ – also zu verkaufen. Structured Investment             Devisentransaktionen belastet hätte (>> Finanztransak-
Vehicle wird in der Finanzwelt oft auch mit dem Be-         tionssteuer).
griff „Refinanzierungsstruktur“ bezeichnet.
                                                            Troika
Subprime – Subprime-Krise                                   Im Zusammenhang mit der „Eurokrise“ bezeichnet der
Subprime (engl. „unter Bestnote“ oder „zweitklas-           Begriff Troika die drei Institutionen EU-Kommission,
sig“) bedeutet im Geschäft mit Immobilienhypotheken         Europäische Zentralbank (>> EZB) und Internationaler
für private Kreditnehmer mit geringen Einkommen, die        Währungsfonds (>> IWF). Diese Troika prüft die Kon-
kaum kreditwürdig sind. Auf dem US-amerikanischen           solidierungs- und Sparbemühungen der „Krisenländer“
Hypothekenmarkt wurden solche Kredite seit Anfang           und gibt ein Votum ab, ob die jeweils nächste Kreditrate
der 1990er Jahre massenhaft an Geringverdiener ver-         aus dem „Rettungspaketen“ ausgezahlt werden kann.
geben, später auch in UK und anderen europäischen
Staaten. Die Subprime-Kreditnehmer konnten ihre             Weltbank
Raten nur so lange bezahlen, wie die Immobilienprei-        Die Weltbank wurde ebenso wie der Internationale
se stiegen und die Zinsen extrem niedrig blieben. Als       Währungsfonds (>> IWF) 1944 in Folge der Konfe-
dieser Effekt 2007 in den USA ausblieb, verpackten          renz von Bretton Woods gegründet (>> Bretton Woods).
viele Hypothekenanbieter die „faulen Kredite“ (>>           „Weltbank“ ist der umgangssprachlich verwendete


                                                                                                                        Seite 13
FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z



           Begriff für die „Weltbankgruppe“, der insgesamt fünf          Zugespitzt haben sich die wirtschaftlichen Ungleichge-
           Organisationen angehören, darunter die Internationale         wichte seit Ende der 1990er Jahre zwischen den USA
           Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Die Stimm-             als größtem Defizitland und China, Deutschland sowie
           anteile der Mitgliedsländer der Weltbank richten sich         Japan (abgesehen von den OPEC-Ländern) als den
           nach ihren Kapitaleinlagen. Die größten Anteilseigner         größten Überschussländern.
           sind die USA (15,9 Prozent), Japan (6,8 Prozent) und
           China (4,4 Prozent). Deutschland hält vier Prozent an         Auch innerhalb der Euro-Zone bestehen hohe Un-
           der Weltbank.                                                 gleichgewichte, die möglicherweise die europäische
                                                                         Währungsunion vor eine Zerreißprobe stellen werden.
           Aufgabe der Weltbank ist es, „wirtschaftliche Entwick-        Während Griechenland, Spanien und Portugal hohe
           lung von weniger entwickelten Mitgliedstaaten durch           Leistungsbilanzdefizite aufweisen, hat Deutschland seit
           finanzielle Hilfen, Beratung sowie technische Hilfe zu         Einführung der Währungsunion seine Überschüsse aus-
           fördern und so zur Umsetzung internationalen Entwick-         gebaut (>> Defizitländer/Überschussländer; Leistungs-
           lungsziele beizutragen“. Allerdings steht die Weltbank        bilanzdefizite).
           auch in der Kritik, weil sie mit der das Prinzip der Priva-
           tisierung zur Grundlage ihrer Arbeit erklärt hat.             Zinslastquote
                                                                         Ein Begriff, der häufig im Zusammenhang mit der Staats-
           Wirtschaftliche Ungleichgewichte                              verschuldung eines Landes genannt wird. Die Zinslast-
           Unter „globalen Ungleichgewichten“ werden größere             quote gibt an, wie viel Prozent seines Gesamthaushalts
           Leistungsbilanzüberschüsse bzw. -defizit zwischen ver-         ein Staat für die Zinstilgung seiner Staatsschulden aus-
           schiedenen Ländern und Ländergruppen verstanden.              geben muss.




Seite 14
KONTAKTADRESSEN




GPA-djp in Ihrer Nähe


Ihre AnsprechpartnerInnen in den Bundesländern


Service-Hotline: 05 0301-301
GPA-djp Service-Center
1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1
Fax: 05 0301-300, eMail: service@gpa-djp.at



Regionalgeschäftsstelle Wien                  Regionalgeschäftsstelle Oberösterreich
1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1           4020 Linz, Volksgartenstraße 40

Regionalgeschäftsstelle Niederösterreich      Regionalgeschäftsstelle Salzburg
3100 St. Pölten, Gewerkschaftsplatz 1         5020 Salzburg, Markus-Sittikus-Straße 10

Regionalgeschäftsstelle Burgenland            Regionalgeschäftsstelle Tirol
7000 Eisenstadt, Wiener Straße 7              6020 Innsbruck, Südtiroler Platz 14-16

Regionalgeschäftsstelle Steiermark            Regionalgeschäftsstelle Vorarlberg
8020 Graz, Karl-Morre-Straße 32               6900 Bregenz, Reutegasse 11

Regionalgeschäftsstelle Kärnten
9020 Klagenfurt, Bahnhofstraße 44/4           www.gpa-djp.at



                                                                                         Seite 15
Für alle,
   die mehr wollen!




www.gpa-djp.at




    1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1 – Service-Hotline: 05 0301-301, service@gpa-djp.at – www.gpa-djp.at
                                        DVR 0046655, ZVR 576439352

More Related Content

What's hot

Nullzinsen, Negativzinsen, Strafzinsen: Die Kapitalanlage der Versicherungswi...
Nullzinsen, Negativzinsen, Strafzinsen: Die Kapitalanlage der Versicherungswi...Nullzinsen, Negativzinsen, Strafzinsen: Die Kapitalanlage der Versicherungswi...
Nullzinsen, Negativzinsen, Strafzinsen: Die Kapitalanlage der Versicherungswi...Alexis Eisenhofer
 
Ergebnisse der Umfrage zu Konjunktur und Wirtschaftspolitik
Ergebnisse der Umfrage zu Konjunktur und WirtschaftspolitikErgebnisse der Umfrage zu Konjunktur und Wirtschaftspolitik
Ergebnisse der Umfrage zu Konjunktur und WirtschaftspolitikBankenverband
 
Folgen der Finanzmarktregulierung für die Kommunalfinanzierung
Folgen der Finanzmarktregulierung für die KommunalfinanzierungFolgen der Finanzmarktregulierung für die Kommunalfinanzierung
Folgen der Finanzmarktregulierung für die KommunalfinanzierungBankenverband
 
Pressegespräch - Corona – Werkzeugkasten
Pressegespräch - Corona – WerkzeugkastenPressegespräch - Corona – Werkzeugkasten
Pressegespräch - Corona – WerkzeugkastenBankenverband
 
Negativzinsen, die geldpolitische Erziehung zur Ungeduld?
Negativzinsen, die geldpolitische Erziehung zur Ungeduld?Negativzinsen, die geldpolitische Erziehung zur Ungeduld?
Negativzinsen, die geldpolitische Erziehung zur Ungeduld?Alexis Eisenhofer
 
Unkonventionelle Geldpolitik - Strategien im Kampf gegen Stagnation
Unkonventionelle Geldpolitik - Strategien im Kampf gegen StagnationUnkonventionelle Geldpolitik - Strategien im Kampf gegen Stagnation
Unkonventionelle Geldpolitik - Strategien im Kampf gegen StagnationAlexis Eisenhofer
 
Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedri...
Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedri...Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedri...
Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedri...I W
 
Pressegespräch zur europäischen Umsetzung von Basel IV und den Empfehlungen d...
Pressegespräch zur europäischen Umsetzung von Basel IV und den Empfehlungen d...Pressegespräch zur europäischen Umsetzung von Basel IV und den Empfehlungen d...
Pressegespräch zur europäischen Umsetzung von Basel IV und den Empfehlungen d...Bankenverband
 
Analyse nr. 104 staatsinsolvenzen
Analyse nr. 104 staatsinsolvenzenAnalyse nr. 104 staatsinsolvenzen
Analyse nr. 104 staatsinsolvenzenFESD GKr
 
BdB-Umfrage Konjunktur und Wirtschaftspolitik
BdB-Umfrage Konjunktur und WirtschaftspolitikBdB-Umfrage Konjunktur und Wirtschaftspolitik
BdB-Umfrage Konjunktur und WirtschaftspolitikBankenverband
 
Systemische Risikoindikatoren
Systemische RisikoindikatorenSystemische Risikoindikatoren
Systemische RisikoindikatorenBankenverband
 
Die EZB auf Abwegen? Teil 2: Sind die Staatsanleihekäufe eine Mandatsüberschr...
Die EZB auf Abwegen? Teil 2: Sind die Staatsanleihekäufe eine Mandatsüberschr...Die EZB auf Abwegen? Teil 2: Sind die Staatsanleihekäufe eine Mandatsüberschr...
Die EZB auf Abwegen? Teil 2: Sind die Staatsanleihekäufe eine Mandatsüberschr...I W
 
Chartbook Geldpolitik EZB
Chartbook Geldpolitik EZBChartbook Geldpolitik EZB
Chartbook Geldpolitik EZBBankenverband
 
Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinsch...
Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinsch...Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinsch...
Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinsch...I W
 
Umfrageergebnisse Konjunktur und Wirtschaftspolitik
Umfrageergebnisse Konjunktur und WirtschaftspolitikUmfrageergebnisse Konjunktur und Wirtschaftspolitik
Umfrageergebnisse Konjunktur und WirtschaftspolitikBankenverband
 
EZB auf Abwegen? Teil 3: Gefährden die Staatsanleihekäufe die Unabhängigkeit ...
EZB auf Abwegen? Teil 3: Gefährden die Staatsanleihekäufe die Unabhängigkeit ...EZB auf Abwegen? Teil 3: Gefährden die Staatsanleihekäufe die Unabhängigkeit ...
EZB auf Abwegen? Teil 3: Gefährden die Staatsanleihekäufe die Unabhängigkeit ...I W
 
Chartbook Geldpolitik der EZB
Chartbook Geldpolitik der EZBChartbook Geldpolitik der EZB
Chartbook Geldpolitik der EZBBankenverband
 
BdB-Konjunkturprognose, Herbst 2015
BdB-Konjunkturprognose, Herbst 2015 BdB-Konjunkturprognose, Herbst 2015
BdB-Konjunkturprognose, Herbst 2015 Bankenverband
 

What's hot (20)

Nullzinsen, Negativzinsen, Strafzinsen: Die Kapitalanlage der Versicherungswi...
Nullzinsen, Negativzinsen, Strafzinsen: Die Kapitalanlage der Versicherungswi...Nullzinsen, Negativzinsen, Strafzinsen: Die Kapitalanlage der Versicherungswi...
Nullzinsen, Negativzinsen, Strafzinsen: Die Kapitalanlage der Versicherungswi...
 
Ergebnisse der Umfrage zu Konjunktur und Wirtschaftspolitik
Ergebnisse der Umfrage zu Konjunktur und WirtschaftspolitikErgebnisse der Umfrage zu Konjunktur und Wirtschaftspolitik
Ergebnisse der Umfrage zu Konjunktur und Wirtschaftspolitik
 
Kapital & Märkte: Ausgabe Juli 2013
Kapital & Märkte: Ausgabe Juli 2013Kapital & Märkte: Ausgabe Juli 2013
Kapital & Märkte: Ausgabe Juli 2013
 
Folgen der Finanzmarktregulierung für die Kommunalfinanzierung
Folgen der Finanzmarktregulierung für die KommunalfinanzierungFolgen der Finanzmarktregulierung für die Kommunalfinanzierung
Folgen der Finanzmarktregulierung für die Kommunalfinanzierung
 
Pressegespräch - Corona – Werkzeugkasten
Pressegespräch - Corona – WerkzeugkastenPressegespräch - Corona – Werkzeugkasten
Pressegespräch - Corona – Werkzeugkasten
 
Negativzinsen, die geldpolitische Erziehung zur Ungeduld?
Negativzinsen, die geldpolitische Erziehung zur Ungeduld?Negativzinsen, die geldpolitische Erziehung zur Ungeduld?
Negativzinsen, die geldpolitische Erziehung zur Ungeduld?
 
Unkonventionelle Geldpolitik - Strategien im Kampf gegen Stagnation
Unkonventionelle Geldpolitik - Strategien im Kampf gegen StagnationUnkonventionelle Geldpolitik - Strategien im Kampf gegen Stagnation
Unkonventionelle Geldpolitik - Strategien im Kampf gegen Stagnation
 
Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedri...
Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedri...Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedri...
Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedri...
 
Pressegespräch zur europäischen Umsetzung von Basel IV und den Empfehlungen d...
Pressegespräch zur europäischen Umsetzung von Basel IV und den Empfehlungen d...Pressegespräch zur europäischen Umsetzung von Basel IV und den Empfehlungen d...
Pressegespräch zur europäischen Umsetzung von Basel IV und den Empfehlungen d...
 
Analyse nr. 104 staatsinsolvenzen
Analyse nr. 104 staatsinsolvenzenAnalyse nr. 104 staatsinsolvenzen
Analyse nr. 104 staatsinsolvenzen
 
BdB-Umfrage Konjunktur und Wirtschaftspolitik
BdB-Umfrage Konjunktur und WirtschaftspolitikBdB-Umfrage Konjunktur und Wirtschaftspolitik
BdB-Umfrage Konjunktur und Wirtschaftspolitik
 
Systemische Risikoindikatoren
Systemische RisikoindikatorenSystemische Risikoindikatoren
Systemische Risikoindikatoren
 
Die EZB auf Abwegen? Teil 2: Sind die Staatsanleihekäufe eine Mandatsüberschr...
Die EZB auf Abwegen? Teil 2: Sind die Staatsanleihekäufe eine Mandatsüberschr...Die EZB auf Abwegen? Teil 2: Sind die Staatsanleihekäufe eine Mandatsüberschr...
Die EZB auf Abwegen? Teil 2: Sind die Staatsanleihekäufe eine Mandatsüberschr...
 
Chartbook Geldpolitik EZB
Chartbook Geldpolitik EZBChartbook Geldpolitik EZB
Chartbook Geldpolitik EZB
 
Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinsch...
Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinsch...Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinsch...
Ein Vorschlag für eine europäische Bankenunion ohne automatische Vergemeinsch...
 
Umfrageergebnisse Konjunktur und Wirtschaftspolitik
Umfrageergebnisse Konjunktur und WirtschaftspolitikUmfrageergebnisse Konjunktur und Wirtschaftspolitik
Umfrageergebnisse Konjunktur und Wirtschaftspolitik
 
EZB auf Abwegen? Teil 3: Gefährden die Staatsanleihekäufe die Unabhängigkeit ...
EZB auf Abwegen? Teil 3: Gefährden die Staatsanleihekäufe die Unabhängigkeit ...EZB auf Abwegen? Teil 3: Gefährden die Staatsanleihekäufe die Unabhängigkeit ...
EZB auf Abwegen? Teil 3: Gefährden die Staatsanleihekäufe die Unabhängigkeit ...
 
Kapital & Märkte: Ausgabe Juni 2013
Kapital & Märkte: Ausgabe Juni 2013Kapital & Märkte: Ausgabe Juni 2013
Kapital & Märkte: Ausgabe Juni 2013
 
Chartbook Geldpolitik der EZB
Chartbook Geldpolitik der EZBChartbook Geldpolitik der EZB
Chartbook Geldpolitik der EZB
 
BdB-Konjunkturprognose, Herbst 2015
BdB-Konjunkturprognose, Herbst 2015 BdB-Konjunkturprognose, Herbst 2015
BdB-Konjunkturprognose, Herbst 2015
 

Viewers also liked

SHELTER & WIEDERAUFBAU Fokus des DRK
SHELTER & WIEDERAUFBAU Fokus des DRKSHELTER & WIEDERAUFBAU Fokus des DRK
SHELTER & WIEDERAUFBAU Fokus des DRKDRKUnternehmen
 
Lac2004 werken onder architectuur
Lac2004   werken onder architectuurLac2004   werken onder architectuur
Lac2004 werken onder architectuurDan Kamminga
 
E-Mail Marketing reloaded
E-Mail Marketing reloadedE-Mail Marketing reloaded
E-Mail Marketing reloadedNico Zorn
 
XML-Socket-Server zur Kommunikation mit Flash
XML-Socket-Server zur Kommunikation mit FlashXML-Socket-Server zur Kommunikation mit Flash
XML-Socket-Server zur Kommunikation mit FlashStephan Schmidt
 
Broschre eurokrise-a-6
Broschre eurokrise-a-6Broschre eurokrise-a-6
Broschre eurokrise-a-6Werner Drizhal
 
Eurokrise fsg komprimiert okt 2012
Eurokrise fsg komprimiert okt 2012Eurokrise fsg komprimiert okt 2012
Eurokrise fsg komprimiert okt 2012Werner Drizhal
 
Neue Medien Szenarien Bertram Gugel
Neue Medien Szenarien Bertram GugelNeue Medien Szenarien Bertram Gugel
Neue Medien Szenarien Bertram GugelBertram Gugel
 
atypische Beschäftigung in Österreich
atypische Beschäftigung in Österreichatypische Beschäftigung in Österreich
atypische Beschäftigung in ÖsterreichWerner Drizhal
 
Feedbackzusammenfassung Ohne Trainer Innen
Feedbackzusammenfassung Ohne Trainer InnenFeedbackzusammenfassung Ohne Trainer Innen
Feedbackzusammenfassung Ohne Trainer InnenWerner Drizhal
 
Macht Und Ressourcen Im Ebr.1
Macht Und Ressourcen Im Ebr.1Macht Und Ressourcen Im Ebr.1
Macht Und Ressourcen Im Ebr.1Werner Drizhal
 
Presse-Clipping zur ersten Digital-Fundraising-Studie Schweiz 2015
Presse-Clipping zur ersten Digital-Fundraising-Studie Schweiz 2015Presse-Clipping zur ersten Digital-Fundraising-Studie Schweiz 2015
Presse-Clipping zur ersten Digital-Fundraising-Studie Schweiz 2015RaiseNow
 
Burnoutprävention 11. 13.april 2011 krainerhütte flip-protokoll
Burnoutprävention 11. 13.april 2011 krainerhütte flip-protokollBurnoutprävention 11. 13.april 2011 krainerhütte flip-protokoll
Burnoutprävention 11. 13.april 2011 krainerhütte flip-protokollWerner Drizhal
 
Panta Rhei Alles aendert sich, warum nicht wir? A Tag 2009
Panta Rhei Alles aendert sich, warum nicht wir? A Tag 2009Panta Rhei Alles aendert sich, warum nicht wir? A Tag 2009
Panta Rhei Alles aendert sich, warum nicht wir? A Tag 2009Christian Heilmann
 
Ausschnitt des Produktprogramms der Janzen Lifttechnik GmbH
Ausschnitt des Produktprogramms der Janzen Lifttechnik GmbHAusschnitt des Produktprogramms der Janzen Lifttechnik GmbH
Ausschnitt des Produktprogramms der Janzen Lifttechnik GmbHJLifttechnik
 
Endbericht tp mitbestimmung v1
Endbericht tp mitbestimmung  v1Endbericht tp mitbestimmung  v1
Endbericht tp mitbestimmung v1Werner Drizhal
 

Viewers also liked (20)

Personelles
PersonellesPersonelles
Personelles
 
SHELTER & WIEDERAUFBAU Fokus des DRK
SHELTER & WIEDERAUFBAU Fokus des DRKSHELTER & WIEDERAUFBAU Fokus des DRK
SHELTER & WIEDERAUFBAU Fokus des DRK
 
Lac2004 werken onder architectuur
Lac2004   werken onder architectuurLac2004   werken onder architectuur
Lac2004 werken onder architectuur
 
Eve bedoya
Eve bedoyaEve bedoya
Eve bedoya
 
E-Mail Marketing reloaded
E-Mail Marketing reloadedE-Mail Marketing reloaded
E-Mail Marketing reloaded
 
XML-Socket-Server zur Kommunikation mit Flash
XML-Socket-Server zur Kommunikation mit FlashXML-Socket-Server zur Kommunikation mit Flash
XML-Socket-Server zur Kommunikation mit Flash
 
Broschre eurokrise-a-6
Broschre eurokrise-a-6Broschre eurokrise-a-6
Broschre eurokrise-a-6
 
Teilzeit endf
Teilzeit endfTeilzeit endf
Teilzeit endf
 
Eurokrise fsg komprimiert okt 2012
Eurokrise fsg komprimiert okt 2012Eurokrise fsg komprimiert okt 2012
Eurokrise fsg komprimiert okt 2012
 
Neue Medien Szenarien Bertram Gugel
Neue Medien Szenarien Bertram GugelNeue Medien Szenarien Bertram Gugel
Neue Medien Szenarien Bertram Gugel
 
atypische Beschäftigung in Österreich
atypische Beschäftigung in Österreichatypische Beschäftigung in Österreich
atypische Beschäftigung in Österreich
 
Feedbackzusammenfassung Ohne Trainer Innen
Feedbackzusammenfassung Ohne Trainer InnenFeedbackzusammenfassung Ohne Trainer Innen
Feedbackzusammenfassung Ohne Trainer Innen
 
Macht Und Ressourcen Im Ebr.1
Macht Und Ressourcen Im Ebr.1Macht Und Ressourcen Im Ebr.1
Macht Und Ressourcen Im Ebr.1
 
Presse-Clipping zur ersten Digital-Fundraising-Studie Schweiz 2015
Presse-Clipping zur ersten Digital-Fundraising-Studie Schweiz 2015Presse-Clipping zur ersten Digital-Fundraising-Studie Schweiz 2015
Presse-Clipping zur ersten Digital-Fundraising-Studie Schweiz 2015
 
Burnoutprävention 11. 13.april 2011 krainerhütte flip-protokoll
Burnoutprävention 11. 13.april 2011 krainerhütte flip-protokollBurnoutprävention 11. 13.april 2011 krainerhütte flip-protokoll
Burnoutprävention 11. 13.april 2011 krainerhütte flip-protokoll
 
Bildungsnavigator Noe
Bildungsnavigator NoeBildungsnavigator Noe
Bildungsnavigator Noe
 
WASH Fokus des DRK
WASH Fokus des DRKWASH Fokus des DRK
WASH Fokus des DRK
 
Panta Rhei Alles aendert sich, warum nicht wir? A Tag 2009
Panta Rhei Alles aendert sich, warum nicht wir? A Tag 2009Panta Rhei Alles aendert sich, warum nicht wir? A Tag 2009
Panta Rhei Alles aendert sich, warum nicht wir? A Tag 2009
 
Ausschnitt des Produktprogramms der Janzen Lifttechnik GmbH
Ausschnitt des Produktprogramms der Janzen Lifttechnik GmbHAusschnitt des Produktprogramms der Janzen Lifttechnik GmbH
Ausschnitt des Produktprogramms der Janzen Lifttechnik GmbH
 
Endbericht tp mitbestimmung v1
Endbericht tp mitbestimmung  v1Endbericht tp mitbestimmung  v1
Endbericht tp mitbestimmung v1
 

Similar to Eki glossar fnanzkrise_a4_4c_ped_web

Modul 6 - Externe Krisenauslöser - Finanzen.pptx
Modul 6  - Externe Krisenauslöser - Finanzen.pptxModul 6  - Externe Krisenauslöser - Finanzen.pptx
Modul 6 - Externe Krisenauslöser - Finanzen.pptxcaniceconsulting
 
Perspektiven nr1 wie_den_euro_retten
Perspektiven nr1 wie_den_euro_rettenPerspektiven nr1 wie_den_euro_retten
Perspektiven nr1 wie_den_euro_rettenWerner Drizhal
 
Reform der Alterssicherung
 Reform der Alterssicherung Reform der Alterssicherung
Reform der AlterssicherungI W
 
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurzWege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurzWerner Drizhal
 
Wirtschaftskrise Teil Banken
Wirtschaftskrise   Teil   BankenWirtschaftskrise   Teil   Banken
Wirtschaftskrise Teil Bankenbones23
 
Mackenroth-Theorem
Mackenroth-TheoremMackenroth-Theorem
Mackenroth-Theoremhc voigt
 
Presseunterlage krisenschulden sept2010
Presseunterlage krisenschulden sept2010Presseunterlage krisenschulden sept2010
Presseunterlage krisenschulden sept2010Werner Drizhal
 
20091125.Kotz Finanzstabilitaet
20091125.Kotz Finanzstabilitaet20091125.Kotz Finanzstabilitaet
20091125.Kotz FinanzstabilitaetWolfgang Wettach
 
Attac Sommerakademie Präsentation
Attac Sommerakademie PräsentationAttac Sommerakademie Präsentation
Attac Sommerakademie Präsentationerlassjahr
 
Langfristfinanzierung und Finanzmarktregulierung (Update 03/2014)
Langfristfinanzierung und Finanzmarktregulierung (Update 03/2014)Langfristfinanzierung und Finanzmarktregulierung (Update 03/2014)
Langfristfinanzierung und Finanzmarktregulierung (Update 03/2014)Bankenverband
 
Fuenf prozent
Fuenf prozentFuenf prozent
Fuenf prozentbryanwisk
 
Strategien für Ihr Vermögen
Strategien für Ihr VermögenStrategien für Ihr Vermögen
Strategien für Ihr Vermögeniac-aktienclub
 
Finanzgefahr
FinanzgefahrFinanzgefahr
FinanzgefahrFESD GKr
 
ZfSO_-_Endlagerung_von_Verlusten_in_EZB-Bilanz
ZfSO_-_Endlagerung_von_Verlusten_in_EZB-BilanzZfSO_-_Endlagerung_von_Verlusten_in_EZB-Bilanz
ZfSO_-_Endlagerung_von_Verlusten_in_EZB-BilanzDr. Max Danzmann
 

Similar to Eki glossar fnanzkrise_a4_4c_ped_web (20)

Modul 6 - Externe Krisenauslöser - Finanzen.pptx
Modul 6  - Externe Krisenauslöser - Finanzen.pptxModul 6  - Externe Krisenauslöser - Finanzen.pptx
Modul 6 - Externe Krisenauslöser - Finanzen.pptx
 
BVR Volkswirtschaft special: Makroprudenzielle Politik – neue Meldelasten ver...
BVR Volkswirtschaft special: Makroprudenzielle Politik – neue Meldelasten ver...BVR Volkswirtschaft special: Makroprudenzielle Politik – neue Meldelasten ver...
BVR Volkswirtschaft special: Makroprudenzielle Politik – neue Meldelasten ver...
 
Perspektiven nr1 wie_den_euro_retten
Perspektiven nr1 wie_den_euro_rettenPerspektiven nr1 wie_den_euro_retten
Perspektiven nr1 wie_den_euro_retten
 
Fsi 2011 10
Fsi 2011 10Fsi 2011 10
Fsi 2011 10
 
F S I 2011 10
F S I 2011 10F S I 2011 10
F S I 2011 10
 
Reform der Alterssicherung
 Reform der Alterssicherung Reform der Alterssicherung
Reform der Alterssicherung
 
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurzWege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
Wege auskrisebasisvortrag13 02_2012_kurz
 
Wirtschaftskrise Teil Banken
Wirtschaftskrise   Teil   BankenWirtschaftskrise   Teil   Banken
Wirtschaftskrise Teil Banken
 
Mackenroth-Theorem
Mackenroth-TheoremMackenroth-Theorem
Mackenroth-Theorem
 
Presseunterlage krisenschulden sept2010
Presseunterlage krisenschulden sept2010Presseunterlage krisenschulden sept2010
Presseunterlage krisenschulden sept2010
 
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
Aktuelle Informationen aus dem Kapitalmarkt - Januar 2012
 
20091125.Kotz Finanzstabilitaet
20091125.Kotz Finanzstabilitaet20091125.Kotz Finanzstabilitaet
20091125.Kotz Finanzstabilitaet
 
02 busch hirschel
02 busch hirschel02 busch hirschel
02 busch hirschel
 
Attac Sommerakademie Präsentation
Attac Sommerakademie PräsentationAttac Sommerakademie Präsentation
Attac Sommerakademie Präsentation
 
Langfristfinanzierung und Finanzmarktregulierung (Update 03/2014)
Langfristfinanzierung und Finanzmarktregulierung (Update 03/2014)Langfristfinanzierung und Finanzmarktregulierung (Update 03/2014)
Langfristfinanzierung und Finanzmarktregulierung (Update 03/2014)
 
Damit sicher sicher bleibt - Initiative der Deutschen Wirtschaft für eine wir...
Damit sicher sicher bleibt - Initiative der Deutschen Wirtschaft für eine wir...Damit sicher sicher bleibt - Initiative der Deutschen Wirtschaft für eine wir...
Damit sicher sicher bleibt - Initiative der Deutschen Wirtschaft für eine wir...
 
Fuenf prozent
Fuenf prozentFuenf prozent
Fuenf prozent
 
Strategien für Ihr Vermögen
Strategien für Ihr VermögenStrategien für Ihr Vermögen
Strategien für Ihr Vermögen
 
Finanzgefahr
FinanzgefahrFinanzgefahr
Finanzgefahr
 
ZfSO_-_Endlagerung_von_Verlusten_in_EZB-Bilanz
ZfSO_-_Endlagerung_von_Verlusten_in_EZB-BilanzZfSO_-_Endlagerung_von_Verlusten_in_EZB-Bilanz
ZfSO_-_Endlagerung_von_Verlusten_in_EZB-Bilanz
 

More from Werner Drizhal

Unfallvers. dt kurzpräs
Unfallvers. dt kurzpräsUnfallvers. dt kurzpräs
Unfallvers. dt kurzpräsWerner Drizhal
 
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokollEbr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokollWerner Drizhal
 
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheitenMitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheitenWerner Drizhal
 
Zustimmungspflichtige maßnahmen
Zustimmungspflichtige maßnahmenZustimmungspflichtige maßnahmen
Zustimmungspflichtige maßnahmenWerner Drizhal
 
Gpa bgf überblick und leitfaden
Gpa bgf überblick und leitfadenGpa bgf überblick und leitfaden
Gpa bgf überblick und leitfadenWerner Drizhal
 
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwaldVortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwaldWerner Drizhal
 
Erfahrungen der tn innen
Erfahrungen der tn innenErfahrungen der tn innen
Erfahrungen der tn innenWerner Drizhal
 
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)Werner Drizhal
 
Fotoprotokoll dezember 2012
Fotoprotokoll dezember 2012Fotoprotokoll dezember 2012
Fotoprotokoll dezember 2012Werner Drizhal
 
20019042 verteilungsgerechtigkeit präs 5-11-12
20019042 verteilungsgerechtigkeit  präs 5-11-1220019042 verteilungsgerechtigkeit  präs 5-11-12
20019042 verteilungsgerechtigkeit präs 5-11-12Werner Drizhal
 
Folien aktionswoche fsg
Folien aktionswoche fsgFolien aktionswoche fsg
Folien aktionswoche fsgWerner Drizhal
 
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scdInfo zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scdWerner Drizhal
 

More from Werner Drizhal (20)

Unfallvers. dt kurzpräs
Unfallvers. dt kurzpräsUnfallvers. dt kurzpräs
Unfallvers. dt kurzpräs
 
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokollEbr seminar april 2014 in weitra - protokoll
Ebr seminar april 2014 in weitra - protokoll
 
Sozialplan foliensatz
Sozialplan foliensatzSozialplan foliensatz
Sozialplan foliensatz
 
Uebersicht bv
Uebersicht bvUebersicht bv
Uebersicht bv
 
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheitenMitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
Mitwirkung in wirtschaftlichen angelegenheiten
 
Checkliste
ChecklisteCheckliste
Checkliste
 
Bv
BvBv
Bv
 
Betriebsübergang
BetriebsübergangBetriebsübergang
Betriebsübergang
 
Befugnisse
BefugnisseBefugnisse
Befugnisse
 
Zustimmungspflichtige maßnahmen
Zustimmungspflichtige maßnahmenZustimmungspflichtige maßnahmen
Zustimmungspflichtige maßnahmen
 
Gpa bgf überblick und leitfaden
Gpa bgf überblick und leitfadenGpa bgf überblick und leitfaden
Gpa bgf überblick und leitfaden
 
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwaldVortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
Vortrag unfallheilbehandlung & rehabilitation in der auva 2013 seiwald
 
Erfahrungen der tn innen
Erfahrungen der tn innenErfahrungen der tn innen
Erfahrungen der tn innen
 
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
Präs ch kbm_gewerkschaft-(kst-)
 
Bmask soz jahr
Bmask soz jahrBmask soz jahr
Bmask soz jahr
 
Fotoprotokoll dezember 2012
Fotoprotokoll dezember 2012Fotoprotokoll dezember 2012
Fotoprotokoll dezember 2012
 
20019042 verteilungsgerechtigkeit präs 5-11-12
20019042 verteilungsgerechtigkeit  präs 5-11-1220019042 verteilungsgerechtigkeit  präs 5-11-12
20019042 verteilungsgerechtigkeit präs 5-11-12
 
Folien aktionswoche fsg
Folien aktionswoche fsgFolien aktionswoche fsg
Folien aktionswoche fsg
 
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scdInfo zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
 
Ifam übersicht
Ifam übersichtIfam übersicht
Ifam übersicht
 

Eki glossar fnanzkrise_a4_4c_ped_web

  • 1. Glossar Die wichtigsten Begriffe zur Finanzmarkt- und Eurokrise von A bis Z Redaktion: Wolfgang Greif & David Mum
  • 2. Impressum: Herausgeber: Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier Alfred-Dallinger-Platz 1, 1034 Wien Redaktion: Mag. Wolfgang Greif, Abteilung Europa, Konzerne, Internationale Beziehungen & Mag. David Mum, GPA-djp Grundlagenabteilung (Quelle u.a. www.dgb.de) Layout: Ulrike Pesendorfer, GPA-djp Marketing Fotos: Fotolia, GPA-djp DVR 0046655, ZVR 576439352 Stand: November 2011 Seite 2
  • 3. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z Wer die Finanzmarktkrise und die aktuelle „Eurokrise“ sowie ihre Ursachen und Hintergründe nach- vollziehen will, der muss auch die Begriffe verstehen, die in politischen Debatten verwendet werden. Dieses „Krisenglossar“ gibt eine Hilfestellung: von A wie ABS bis Z wie Zinslastquote. ABS-Wertpapiere liche Dienst zumeist stark eingeschränkt wird. Darüber Asset Backed Securities (ABS), sind durch Kredite hinaus bewirken exzessive Austeritätsmaßnah- gedeckte Wertpapiere (asset = Kreditforderung, backed men einen Rückgang des Wirtschaftswachstums, was = gedeckt, securities = Sicherheiten/Anlagen). In ABS die Gefahr der Rezession in sich trägt. Vielmehr muss bündeln Banken ihre Kreditforderungen, die sie an priva- es aus Sicht der Gewerkschaften darum gehen, „aus te Schuldner haben. Diese Kreditforderungen lagern sie der Krise heraus zu investieren“ und die dafür notwen- dann in eine Zweckgesellschaft aus. Diese Gesellschaft digen Mittel auch auf der Einnahmeseite etwa über die gibt dann ABS-Wertpapiere heraus, mit denen Kreditfor- Besteuerung von Vermögen und Spekulationsgewinnen derungen de facto weiterverkauft werden. Wer Anteile (>> Finanztransaktionssteuer) zu lukrieren. an ABS kauft, erwirbt also im Prinzip den Anteil an ei- nem Aktenordner voll mit Schuldscheinen. Können die Automatische Stabilisatoren Schuldner ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen, scheitert Als die automatischen Stabilisatoren werden in auch das ABS-Wertpapier. der Wirtschaftswissenschaft und der wirtschaftspoliti- schen Diskussion jene Einnahmen- und Ausgaben des Im Vorfeld der Finanzkrise haben viele US-Banken ihre öffentlichen Haushalts bezeichnet, die sich automatisch „faulen“ Subprime-Kredite von Geringverdienern in ABS (ohne gezielte wirtschaftspolitische Eingriffe) konjunk- verpackt und weltweit an Investoren verkauft. So kamen turstabilisierend verändern. In Abschwüngen stimulie- die „faulen Kredite“ (>> Subprime, faule Kredite) ins in- ren die automatischen Stabilisatoren die gesamt- ternationale Finanzsystem. wirtschaftliche Nachfrage, in Aufschwüngen dämpfen sie diese. Der große Vorteil der Stabilisatoren (wozu Antizyklische Fiskalpolitik auch Sozialausgaben sowie die Abgabensysteme ge- Unter antizyklischer Fiskalpolitik versteht man eine hören) ist ihre kurzfristige und automatische konjunktu- Fiskalpolitik, die sich entgegengesetzt zur Konjunktur relle Wirkung. verhält, d.h. im Konjunkturaufschwung erhöhen sich die Staatseinnahmen stärker als die Staatsausgaben, So führen etwa höhere Einkommen und mehr Beschäfti- im Konjunkturabschwung steigen die Staatsausgaben gung im Aufschwung zu höheren Steuerzahlungen. Die- stärker als die Staatseinnahmen. Letztere können sogar se sollen zum Abbau der Staatsverschuldung verwendet sinken. Ziel der antizyklischen Fiskalpolitik ist, werden. Im Abschwung nehmen die öffentlichen Haus- dass extremen konjunkturellen Ausschlägen entgegen halte (überproportional) weniger Steuern ein, während gewirkt wird und somit eine stetigere wirtschaftliche die Sozialausgaben (Arbeitslosenzahlungen) steigen Entwicklung erreicht wird. und die Nachfrage stabilisieren. Bei den Sozialaus- gaben ist die Arbeitslosenunterstützung die wichtigste Austerität Komponente. Ihre stabilisierende Wirkung ist umso hö- Unter Austerität (engl. austerity, „Enthaltsamkeit“) her je höher die Nettoersatzrate ist und je länger die versteht man die strenge Sparpolitik eines Staates. Bezugsdauer ist. Das Abgabensystem wirkt umso stabi- Durch Drosselung laufender Ausgaben im öffentlichen lisierender je höher sein Progressionsgrad ist. Bereich, sprich durch strenge Führung des öffentlichen Haushaltes bei gleichzeitiger Politik der Einschränkung Bail-out - No Bail Out Klausel des Massenkonsums, in Zeiten ökonomischer Krisen soll Bail-out (engl., „aus der Klemme helfen“) bezeichnet eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation herbei- in den Wirtschaftswissenschaften den Vorgang der geführt werden. Schuldenübernahme, der Tilgung oder Haftungsüber- nahme durch Dritte, insbesondere durch den Staat Seitens der Gewerkschaften wird dieses Konzept, sich oder staatliche Institutionen, im Fall einer Wirtschafts-, einseitig „aus der Krise heraus sparen zu wollen“ scharf Finanz- oder Unternehmenskrise. kritisiert, weil durch die exzessive Kürzung der Staats- ausgaben jene, die von staatlichen Transferleistungen In der sog. "No-Bail Out"-Klausel in Art. 125 des abhängig sind, am stärksten betroffen und der öffent- EU-Vertrages wurde bislang festgelegt, dass ein Euro- Seite 3
  • 4. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z Teilnehmerland nicht für Verbindlichkeiten und Schulden dienen die Bilanzsumme und das Volumen spekulati- anderer Staaten aufkommen muss. Diese Klausel sollte ver Derivatgeschäfte der Banken. Institute mit einer Bi- gewährleisten, dass für die Rückzahlung öffentlicher lanzsumme unter 1 Milliarde werden nicht besteuert. Schulden die Staaten selbst verantwortlich bleiben. Ge- Zwischen 1 Milliarde und 20 Milliarden beträgt die nau das soll nun im Zuge der Einführung eines ständi- Abgabe 0,055%, über 20 Milliarden 0,085%. Speku- gen Rettungsmechanismus in der Euro-Zone (>> ESM) lative Derivate werden unabhängig von der Bilanzsum- geändert werden, wozu allerdings eine Änderung der me mit 0,013% besteuert. Die Regierung erwartet sich entsprechenden Bestimmungen zur Währungsunion in aufgrund dieser Abgabe jährliche Einnahmen von 500 den EU-Verträgen und eine entsprechende (parlamen- Millionen Euro. tarische) Ratifizierung in allen EU-Mitgliedsstaaten not- wendig ist. Bankenrettung Bezeichnet die Versuche von Staaten mit sog. „Rettungs- Bad Bank paketen“ Banken in der Wirtschafkrise vor dem Bank- Eine Bad Bank ist eine künstlich geschaffene Tochter- rott zu bewahren. Dabei wurden die Banken bei der oder Zweckgesellschaft einer Bank, in die sie ihre „fau- Rekapitalisierung druch die Staaten unterstützt. D.h. die len Kredite“ (>>Faule Kredite) auslagert. Zweck dieses Staaten stellten den Banken Kapital zur Verfügung, da- Vorgehens ist, dass die „Kernbank“ mit bereinigten Bi- mit diese die Mindestkapitalbedingungen trotz hohen lanzen auf den Finanzmärkten und gegenüber anderen Abschreibungsbedarfes erfüllen konnten. Banken wieder kreditwürdig auftreten kann. Die Frage ist freilich immer, ob für die Verluste der Bad Bank Am Markt hätten sich die Banken nur zu weitaus un- letztlich die Kernbank oder im Zuge der „Bankenret- günstigeren Bedingungen oder gar nicht finanzieren tung“ (>> Bankenrettung) der Staat aufkommen wird. können. Durch die staatlich garantierte Einlagensiche- rung wurde ein Run auf die Banken verhindert, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – diese ruiniert hätte. Die europäischen Banken wurden Baseler Ausschuss im Zuge der Finanzkrise mit rund 300 Milliarden Euro Der 1974 von den G10-Staaten gegründete Basler gestützt, also rund 3 Prozent der jährlichen Wirtschafts- Ausschuss für Bankenaufsicht ist bei der Bank für leistung der EU. Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel angesiedelt. Mitglieder des Ausschusses sind Basel III Repräsentanten der Bankenaufsicht und der Notenban- Basel III ist ein vom Basler Ausschuss für Bankenauf- ken der G10-Staaten sowie inzwischen mehrerer Dut- sicht (>> Basler Ausschuss) festgelegtes Regelwerk für zend weiterer Länder (darunter auch Österreich). Der Banken und andere Finanzinstitutionen. Es legt fest, Baseler Ausschuss legt rechtlich nicht verbindliche wie viel „Kernkapital“ Banken vorhalten müssen – also aber von den Mitgliedsstaaten in der Regel übernom- wie hoch das Eigenkapital im Vergleich zum gehandel- mene Standards für Banken und den internationalen ten Fremdkapital sein muss. Außerdem legt Basel III Finanzhandel fest. (>> Basel III) Die Bank für Inter- eine Höchstverschuldungsgrenze für Banken fest. In der nationalen Zahlungsausgleich ist eine internatio- EU werden die 2010 aufgestellten Basel-III-Regeln ab nale Organisation und gilt auch als „Zentralbank der 2012 umgesetzt. Zentralbanken“. Die Vorläufer von Basel III sind auch als Basel II (in der Bankenangabe EU seit 2007 Pflicht, in den USA noch Ende 2010 nicht In Folge der Finanzkrise wird in vielen Staaten über umgesetzt) und Basel I (seit 1997) bekannt. eine Bankenabgabe diskutiert. Die Konzepte sind dabei vielfältig. Grundsätzlich geht es aber immer um Bretton Woods eine von Banken und Finanzinstituten zu entrichtende Bretton Woods ist der Name eines Ortes im US-Bun- Abgabe, Gebühr oder Steuer, mit der sie sich an der desstaats New Hampshire, in dem 1944 die so genannte Bewältigung der Finanzkrise beteiligen sollen oder mit Bretton-Woods-Konferenz der Vereinten Nationen der die Risiken künftiger Krisen abgesichert werden. zu Finanz- und Währungsfragen stattfand. Nach der Ortschaft ist deshalb auch das so genannte Bretton- In Österreich trat mit 1. Januar 2011 das Stabilitäts- Woods-Abkommen, beziehungsweise Bretton- abgabegesetz in Kraft, welches Kreditinstitute zu einer Woods-System benannt: Durch das Abkommen Bankenabgabe verpflichtet. Als Basis der Steuer wurde ein System fester Wechselkurse zwischen den Seite 4
  • 5. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z internationalen Währungen mit dem US-Dollar als Leit- abzusichern: Es ist im Prinzip eine Versicherung gegen währung etabliert, dass durch Goldreserven gedeckt sinkende oder steigende Kurse, beziehungsweise Prei- wurde. 1973 wurde dieses feste Wechselkurssystem se. Derivate können so ein sinnvolles Instrument für aufgelöst. Auf der Bretton-Woods-Konferenz wur- Unternehmen der Realwirtschaft sein, beispielsweise den außerdem die Gründung der Weltbank (>> Welt- für Landwirte, die sich gegen sinkende Getreidepreise bank) und des Internationale Währungsfonds (>> IWF) versichern oder für Exportunternehmen, die sich gegen beschlossen, weshalb diese beiden Organisationen Währungsschwankungen absichern. auch Bretton-Woods-Institutionen genannt werden. Von Investmentbanken und Finanzspekulanten wurden Credit Default Swap Derivate aber in enormem Ausmaß zweck-entfremdet Ein Credit Default Swap (engl. für Kreditausfall- als „Wette“ auf sinkende oder steigende Kurse ohne Swap) ist ein Kreditderivat, das es erlaubt, Ausfallri- realwirtschaftlichen Hintergrund genutzt. Mittlerweile siken von Krediten, Anleihen oder Schuldentiteln zu dienen Derivate überwiegend der Spekulation. Das handeln. Ein Credit Default Swap ist ein Vertrag Handelsvolumen mit Aktien und Anleihen entsprach zwischen zwei Parteien, der Bezug auf einen Referenz- 2007 etwa der doppelten weltweiten Wertschöpfung. schuldner (als Basiswert) nimmt. Eine Vertragspartei, Der Handel mit Börsenderivate war 43 mal so hoch wie der sogenannte Sicherungsnehmer, bezahlt eine lau- das Welt BIP und der Handel mit außerbörslich gehan- fend zu entrichtende sowie zusätzlich eine einmalig am delten Derivaten 24 mal so groß. Anfang zu zahlende Prämie. Dafür erhält er von sei- nem Vertragspartner, dem Sicherungsgeber, eine Aus- Economic Governance - Wirtschaftsregierung gleichszahlung, sofern der Referenzschuldner ausfällt. in der EU Die Europäische Währungsunion beinhaltet zwar eine Der Credit Default Swaps ähnelt damit einer Kredit- gemeinsame Währungspolitik in der EURO-Zone. Die versicherung. Allerdings erhält der Sicherungsnehmer Wirtschafts-, Budget- und Steuerpolitik verbleibt aber bis die Ausgleichzahlung unabhängig davon, ob ihm heute in nationaler Kompetenz. Im Zuge der Krisenbe- durch den Ausfall des Referenzschuldners überhaupt wältigung wird immer mehr eine Wirtschaftsregierung ein Schaden entsteht. Credit Default Swaps sind gefordert, die künftig die Wirtschafts- und Finanzpolitik also ein Instrument, mit dem unabhängig von bestehen- der Euro-Zone koordinieren soll, um die Währungsuni- den Kreditbeziehungen Kreditrisiken gehandelt werden on krisenfester zu machen. Ein allgemein anerkanntes können. Referenzschuldner sind typischerweise große, Konzept für eine Wirtschaftsregierung gibt es bislang kapitalmarktnotierte Unternehmen. Der Markt für Credit nicht. Diese würde jedenfalls eine Abgabe von Kompe- Default Swaps wuchs bis zur Finanzkrise ab 2007 tenzen auf die europäische Ebene bedeuten. sehr stark an. Im Rahmen der Einigung auf ein Economic Gover- Defizitländer – (Export)Überschussländer nance-Paket wird der Sparkurs der EU verstärkt (>> Als Defizitländer werden jene Staaten bezeichnet, Sixpack). Durch striktere Haushaltskonsolidierung und die mehr importieren als exportieren, als Überschuss- eine Verschärfung des Stabilitäts- und Wachstumspakts länder jene, die mehr exportieren als importieren. (>> Stabilitäts- und Wachstumspakt). Die Kommission Beide tragen zum Entstehen von makro-ökonomischen setzte ihre zwei Hauptideen durch: Im präventiven Arm Ungleichgewichten (Leistungsbilanzungleichgewichten) des Stabilitäts- und Wachstumspakts orientiert sich das bei. Die seit Bestehen der Euro-Zone enorm angestie- jährliche Ausgabenwachstum eines Mitgliedsstaates zu- genen wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den künftig an der Wachstumsprognose des BIP, im korrek- Exportüberschussländern und jenen mit steigend tiven Arm muss die Verschuldung auf die 60%-Grenze negativer Leistungsbilanz im Euro-Raum müssen als ei- zurückgeführt werden. ner der wesentlichen Gründe für die aktuelle Eurokrise gelten. EFSF - Europäische Finanz- stabilisierungsfazilität Derivate Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität Derivate sind nachgelagerte Finanzprodukte, die sich (EFSF) ist ein Teil des ersten „Euro-Rettungsschirms“ von konkreten Werten oder Wertpapieren wie Aktien, zur Stabilisierung des Euro (>> ESM). Die Unterstüt- Anleihen oder Rohstoffpreisen ableiten. Der eigentliche zungsregelung der Mitgliedstaaten der Eurozone zur Zweck eines Derivats war es, sich gegen Kursrisiken Stabilisierung der Europäischen Wirtschafts- und Wäh- Seite 5
  • 6. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z rungsunion soll dazu dienen, „Staatspleiten“ aufgrund higkeit. Nicht beteiligt sind Großbritannien, Schweden, der Überschuldung der Staatshaushalte einzelner Mit- Tschechien und Ungarn. Der Euro-Plus Pakt schlägt gliedsländer und deren negative Folgen für die Ge- Maßnahmen zur wirtschaftspolitischen Koordinierung meinschaftswährung abzuwenden. Die EFSF firmiert vor, um eine größere Konvergenz der Volkswirtschaften als Aktiengesellschaft, Anteilseigner sind die Länder der in der Eurozone zu erreichen und nennt folgende Ziele: Eurozone. Die EFSF soll über von ihr herausgegebene Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung fördern sowie Anleihen – also de facto gemeinsame Staatsanleihen Finanzstabilität und die langfristige Tragfähigkeit der aller Euroländer – bis zu 440 Milliarden Euro in den öffentlichen Finanzen stärken, aber u.a. auch Erhöhung ersten Euro-Rettungsschirm einbringen. des Pensionsalters. Der Euro-Plus Pakt verpflichtet die beigetretenen Staaten zur Erreichung von Zielen, Diese von allen Euroländern abgesicherten Anleihen allerdings nicht mehr zu konkreten Maßnahmen. Der haben derzeit das Rating AAA – die Bestnote. Um die Schwerpunkt des Paktes liegt vor allem auf Bereichen, Schlagkraft für den EFSF zu erhöhen, soll seine Wir- die in die einzelstaatliche Zuständigkeit fallen. Die Eu- kung entsprechend eines Beschlusses des Europäischen roländer werden Fortschritte in diesem Pakt anhand ob- Rates vom Oktober 2011 durch weitere Kredithebel auf jektiver Indikatoren – zum Beispiel der Lohnstückkosten mindestens eine Billion Euro vervielfacht werden. messen. Eurobonds – Europäische Anleihen Der Euro-Plus-Pakt ergänzt die Abstimmung der Über Staatsanleihen nehmen Staaten Kredite am Kapi- nationalen Haushaltsplanung (europäisches Semester) talmarkt auf, um so ihre Neuverschuldung zu finanzie- und den Europäischen Stabilisierungsmechanismus (>> ren. Dafür zahlen sie einen bestimmten Zinssatz. Staa- ESM), der ab 2013 als permanenter Krisenmechanis- ten mit guter Bonität, wie Deutschland oder Österreich mus zukünftige Haushaltskrisen von Mitgliedstaaten zahlen einen relativ geringen Zinssatz, bei Volkswirt- der Eurozone verhindern soll, sowie die im Rahmen schaften, die in den Fokus der Finanzmärkte geraten, des sogenannten „Sixpack“, die vereinbarte Verschär- steigen die Zinsen dagegen gerade in Krisensituationen fung des Stabilitäts- und Wachstumspakts (>>Sixpack). teilweise enorm an. Während der Europäische Stabilisierungsmechanismus in den EU-Verträgen festgelegt ist (>>Stabilitäts- und Der Begriff Eurobonds (Europäische Anleihen) steht Wachstumspakt), basiert der Euro-Plus-Pakt auf frei- für das Konzept gemeinsamer Staatsanleihen vieler williger Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten. europäischer Staaten im Euro-Raum. Die Grundidee ist die, dass die Eurozone – im Gegensatz zur gegen- Das bedeutet auch, dass es direkte Beteiligung natio- wärtigen Situation, in der jedes Land eigene Anleihen naler Parlamente und keine Beschwerdemöglichkeit ge- begibt - als Ganze Anleihen auflegt und gemeinsam für genüber nationalen Gerichten gibt. die Rückzahlung haftet. Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) Würde eine Gruppe von Staaten gemeinsame Staats- Der Europäische Stabilitäts-Mechanismus anleihen aufnehmen, würde sich der Zinssatz für die (ESM) ist eine Unterstützungsregelung der Mitgliedstaa- Länder mit guter Bonität kaum verteuern, für die wirt- ten der Eurozone zur Stabilisierung der Europäischen schaftlich schwächeren aber deutlich senken. Wirtschafts- und Währungsunion, zur Abwendung von „Staatspleiten“ und deren negativen Folgen für die Ge- Mittels solcher Europäischer Anleihen würde man meinschaftswährung. ESM steht im Zusammenhang die Spekulation gegen einzelne Staaten besser verhin- mit der „Eurokrise“ sowohl für den ersten als auch den dern können, und Peripherieländern den Zugang zu zweiten, dauerhaften „Euro-Rettungsschirm“ (>> Euro- „frischem“ Geld zu Konditionen ermöglichen, die es Rettungsschirm). Mit dem Stabilitätsmechanismus sollen ihnen realistisch auch ermöglicht, die aufgebaute Schul- im gegenseitigen Einvernehmen der Euro-Länder und denlast tragen zu können. unter definierten Auflagen zahlungsunfähige Mitglied- staaten der Eurozone finanziell mit Krediten der Ge- Euro-Plus-Pakt meinschaft der Euro-Staaten unterstützt werden. Der Euro-Plus-Pakt ist ein im Mai 2011 von 17 EU- Regierungen (Eurozone sowie Bulgarien, Dänemark, Euro-Rettungsschirm Lettland, Litauen, Polen und Rumänien) verabschiedetes Der erste „Euro-Rettungsschirm“ wurde im Mai Maßnahmenpaket zur Erhöhung der Wettbewerbsfä- 2010 als „Europäischer Stabilisierungsmecha- Seite 6
  • 7. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z nismus“ (>> ESM) geschaffen und von EU und Inter- Regeln, um nicht zur Gefahr für die Gesamtwirtschaft nationalem Währungsfonds bestückt. Der Europäische zu werden. Seit den 1970er Jahren wurden die Finanz- Stabilisierungsmechanismus besteht aus garantierten märkte Welt immer stärker dereguliert. Das Volumen in- Krediten über 750 Milliarden Euro, die sich aus drei ternationaler Finanztransaktionen nahm stark und stetig verschiedenen „Töpfen“ speisen: 60 Milliarden Euro zu. Die Finanzmärkte wurden zu angebotsgetriebenen aus der EU, 440 Milliarden stammen aus der Europäi- Märkten an denen Anlagemöglichkeiten für Überschuss- schen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), einer Zweck- liquidität gesucht werden. Die Deregulierung seit den gesellschaft, die Anleihen am Kapitalmarkt aufgibt, für 1970er Jahren bezog sich zum Einen auf den Abbau die alle Mitgliedstaaten der Eurozone gemeinschaftlich von Kapitalverkehrskontrollen, der dazu führt dass Ka- haften und bis zu 250 Milliarden vom Internationale pital international enorm mobil wurde. Zum anderen Währungsfonds (>>IWF). wurden viele neue Finanzprodukte zugelassen. Zusätzlich zu den Hilfen für Griechenland wurden aus Finanzspekulation dem ersten Euro-Rettungsschirm, der noch bis Spekulation in der Wirtschaft ist eine auf Gewinnerzie- Juni 2013 läuft, Hilfen für Irland und Portugal finan- lung aus Preisveränderungen gerichtete Geschäftstätig- ziert. Im Juli 2011 haben die Länder der Eurozone die keit. Ziel jeder wirtschaftlichen Spekulation ist es, einen Schaffung eines dauerhaft angelegten Rettungsschirms finanziellen Vorteil durch die künftige Realisierung einer beschlossen. Dieser heißt angelehnt an den ersten Ret- erwarteten Markteinschätzung zu erzielen. Das finan- tungsschirm „Europäischer Stabilitätsmechanis- zielle Ergebnis einer jeden Spekulation besteht dabei mus“ (ebenfalls ESM) und muss von den nationalen stets in der Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufs- Parlamenten bis Ende 2012 ratifiziert werden, um ab preis eines Marktgegenstandes, bereinigt um Kosten Mitte 2013 den ersten Euro-Rettungsschirm ablösen zu des Handels (Transaktionskosten). können. Erfolgreiche Spekulationen sind hauptsächlich auf das Europäische Zentralbank (EZB) frühzeitige Erkennen und Ausnutzen von vermuteten Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die ge- Fehleinschätzungen des Marktes durch Marktbeteiligte meinsame Zentralbank der Länder der Europäischen über künftige Kursentwicklungen zurückzuführen. Kor- Währungsunion. Die EZB bildet zusammen mit den rigiert der Markt anschließend diese Fehleinschätzun- nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedsländer das gen, resultieren daraus Spekulationsgewinne. Schlägt Europäische System der Zentralbanken (ESZB). die Spekulation fehl, so entstehen Spekulationsverluste. Gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken jener Mitgliedstaaten, die den Euro übernommen haben, Finanztransaktionssteuer (FTT) bildet die EZB das Eurosystem. Anteilseigner der EZB Mit einer Finanztransaktionssteuer (engl. Finan- sind die nationalen Zentralbanken der 27 EU-Staaten cial Transaction Tax) würde jedes Finanzgeschäft auf (also auch der Länder außerhalb der Eurozone). Öster- den Kapital- und Finanzmärkten besteuert, ähnlich der reich hält über die Österreichische Nationalbank 1,94 Mehrwertsteuer auf Waren und Dienstleistungen. Be- Prozent an der EZB. reits bei einem minimalen Steuersatz hätten die öffent- lichen Haushalte erhebliche Mehreinnahmen. Je nach Faule Kredite Konzept und Schätzung könnten allein in Österreich be- Als „faule Kredite“ gelten Kreditforderungen einer reits bei Steuersätzen zwischen 0,01 und 0,5 Prozent Bank, von denen sie bereits weiß oder bei denen sie mit zwischen 600 Mio bis zu 1,1 Milliarden Euro zusätzli- hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen muss, dass che Steuereinnahmen erzielt werden. die Schuldner die Kredite nicht zurückzahlen können. Die Finanztransaktionssteuer wäre ein sinnvolles Finanzmarktregulierung Instrument, um Finanzspekulanten als Verursacher der Durch die Finanzmarktregulierung sollen die An- Finanz- und Wirtschaftskrise an deren Folgekosten zu leger vor Ausfallrisiken geschützt, Liquiditäts- und syste- beteiligen, zusätzliche Haushaltsmittel für gute öffentli- mische Risiken reduziert und somit die Geldversorgung che Leistungen und die Armutsbekämpfung zu generie- einer Volkswirtschaft sowie Preisstabilität gewährleistet ren, Finanzströme transparenter zu machen und Roh- werden. Die Finanzmarktregulierung erstreckt sich auf stoff- sowie Wechselkurse zu stabilisieren und auch den alle drei Bereiche des Finanzmarktes: Banken, Versiche- enormen Umfang der spekulativen Finanztransaktionen rungen und Wertpapierhandel. Finanzmärkte brauchen effektiv einzuschränken (>> Hochfrequenzhandel). Seite 7
  • 8. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z Eine allgemeine Finanztransaktionssteuer wurde Hedgefonds bisher in keinem Land eingeführt. Jedoch bestehen in Hedgefonds (engl. „to hedge“ = „absichern“) sind vielen Ländern Kapitalverkehrsteuern, die Teilaspekte eine spezielle Art von Investmentfonds, die durch eine abdecken. Am häufigsten sind Börsenumsatzsteuern, spekulative und riskante – oft auch kurzfristige Anla- die auf Umsätze an Wertpapierbörsen erhoben wer- gestrategie – gekennzeichnet. Hedgefonds bieten den. In einem Entwurf für den mehrjährigen Finanz- die Chance auf sehr hohe Renditen und tragen ent- rahmen der EU im Zeitraum 2014-2020 hat die Eu- sprechend ein hohes Risiko. Typisch für Hedgefonds ropäische Kommission die Einführung einer EU-weiten ist der Einsatz von Derivaten (>> Derivate) und Leer- Finanztransaktionssteuer vorgeschlagen. Diese verkäufen (>> Leerverkäufe). Hiervon rührt auch der solle 2014 eingeführt werden. Der Steuersatz soll laut irreführende Name, da diese Instrumente außer zur internen Berechnungen der Europäischen Kommission Spekulation auch zur Absicherung (Hedging) verwen- 0,1 Prozent auf den Handel von Aktien und Anleihen det werden können. Außerdem versuchen Hedgefonds und 0,01 Prozent für Derivate von Aktien und Anlei- über Fremdfinanzierung eine höhere Eigenkapitalrendi- hen betragen. Devisengeschäfte am Spotmarkt sowie te zu erwirtschaften (>> Hebel- oder Leverage-Effekt). andere Derivate sollen von der Steuer befreit sein. In Die meisten Hedgefonds haben ihren Sitz an Offshore- Summe ließen sich dadurch rund 50 Milliarden Euro Finanzplätzen(>> Off-Shore-Zentren). Zum Jahresende einnehmen. 2006 – also kurz vor Ausbruch der weltweiten Finanz- marktkrise - hatten Hedgefonds weltweit ein Volumen Giftpapiere von rund 1,6 Billionen US-Dollar. Als Giftpapiere (englisch: toxic assets) bezeichnet man umgangssprachlich Wertpapiere und Finanz- Hochfrequenzhandel (HFT) produkte, deren Werte so stark gesunken und deren Beim Hochfrequenzhandel (HFT, englisch: High Entwicklungsaussichten so schlecht sind, dass es für sie Frequency Trading) nutzen Investmentbanken Compu- keine Käufer und keinen funktionierenden Markt mehr terprogramme, um durch sekundenschnelle Käufe und gibt. Giftpapiere müssten von Banken unter regulä- Verkäufe von Aktien und anderen Wertpapieren Ge- ren Bedingungen abgeschrieben werden. In Folge der winn zu machen. Dazu benötigen diese Banken „Vor- Finanzkrise wurde nach Möglichkeiten gesucht, die abinformationen“, die sie von manchen Börsen (wie Bankenbilanzen von solchen Giftpapieren zu entlas- der amerikanischen NASDAQ) gegen Gebühr erhal- ten, da deren Anteil im Portfolio mancher Banken einen ten. Millisekunden vor der Durchführung eines Aktien- existenzgefährdenden Umfang angenommen hatte. kaufs eines Händlers erhalten die Computerprogramme Eine der diskutierten und in vielen Ländern eingeführten der HFT-Banken dann diese Information. So können Lösungen war die Einrichtung von Bad Banks (>> Bad sie die entsprechende Aktie dann automatisiert kaufen, Banks). den Kurs dadurch minimal steigern und an den poten- ziellen Käufer zum minimal höheren Preis gleich wieder „Haircut“ - Schuldenschnitt verkaufen. Die Gewinnspanne der einzelnen Transakti- Schuldenschnitt bedeutet, dass einem Schuldner ein onen ist kaum relevant, durch das automatisierte Ver- Teil seiner Schulden dauerhaft erlassen wird. Der Schul- fahren sind die Summen der Transaktionen aber enorm: denschnitt wir auch „harte“ Umschuldung genannt. Das Laut Financial Times macht der HFT bereits 50 Prozent bedeutet, dass einem Land ein Teil seiner Schulden dau- der Wertpapier-Umsätze in den USA aus. Sowohl in erhaft erlassen wird. Im Unterschied zu einer Insolvenz den USA als auch in Europa gibt es Bestrebungen den müssen die Gläubiger bei einem Schuldenschnitt Hochfrequenzhandel zu verbieten. nicht gänzlich auf alle ihre Forderungen verzichten. Umschuldungen auf Staatsebene werden meist von in- Internationaler Währungsfonds (IWF) ternationalen Organisationen und Institutionen wie In- Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine ternationalem Währungsfonds, Weltbank oder Pariser Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UNO) und Club koordiniert und begleitet. Diese Organisationen wurde ebenso wie die Weltbank (>> Weltbank) 1944 und die Gläubigerstaaten erlassen Bedingungen und in Folge der Konferenz von Bretton Woods (>> Bretton Auflagen, die an die Umschuldungsmaßnahmen ge- Woods) gegründet. Fast alle Mitglieder der UNO sind knüpft werden (>> Troika). Sind privatwirtschaftliche auch stimmberechtigte Mitglieder des IWF – je nach Unternehmen und Kreditinstitute die Gläubiger von Höhe ihrer Kapitaleinlagen. Das meiste Kapital des Staatsschulden, erfolgen Verhandlungen über die Um- IWF stellen die USA mit fast 16 Prozent (demnach auch schuldung im Londoner Club. ein Stimmanteil von 16 Prozent) sowie Deutschland und Seite 8
  • 9. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z Japan mit jeweils rund sechs Prozent. Österreich hält der Handel meist den größten Teil davon ausmacht, einen Kapitalanteil von unter einem Prozent. Aufga- heißt ein Leistungsbilanzdefizit normalerweise, be des IWF ist es, die internationale Währungspolitik dass eine Volkswirtschaft mehr importiert als exportiert. zu koordinieren und die internationalen Finanzmärkte Ein Leistungsbilanzdefizit ist in aller Regel ein In- zu stabilisieren. Dazu kann der IWF unter anderem dikator für eine schlechte Wettbewerbsfähigkeit (>> Kredite (auch an Mitgliedsstaaten) vergeben, um Zah- Defizitländer/Überschussländer; Wirtschaftliche Un- lungsausfälle zu vermeiden. Der IWF gehört neben gleichgewichte). der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission zu jenen drei Institutionen, die im Zuge der Leverage - Hebelwirkung die Konsolidierungs- und Sparbemühungen der „Krisen- Der englische Begriff Leverage (wörtlich: Hebelwir- länder“ überprüfen und ihr Votum darüber abgeben, kung) wird im Finanzsektor in der Regel für den so genann- ob die jeweils nächste Kreditrate aus dem „Rettungs- ten Leverage-Effekt verwendet. Der Leverage-Effekt paketen“ ausgezahlt werden (>> Troika). Der IWF beschreibt das finanzwirtschaftliche Phänomen, wo- vergibt Kredite gegen die Auflage von Konditionen, nach eine kleine Veränderung eines Kurses oder Preises die einem neoliberalen Politikmodell beruhen: Privati- (Basiswert) zu einem großen Effekt auf einen anderen sierung von Staatsbetrieben, Kürzung von (Sozial)aus- Kurs oder ein anderes Finanzprodukt hat, das sich auf gaben, Deregulierung der Märkte, Liberalisierung des den Basiswert bezieht. So entstehen auf den Finanz- Kapitalverkehrs. Die wirtschaftspolitischen Prioritäten märkten sich selbst verstärkende Ausschläge nach oben des kreditnehmenden Landes haben sich gänzlich der oder unten. Der Leverage-Effekt ist ein typisches Rückzahlung der Schulden gegenüber dem Ausland zu Phänomen von Derivaten (>> Derivate). richten. Maastricht-Kriterien Leerverkäufe (EU-Konvergenzkritierien) Leerverkäufe sind Geschäfte mit Wertpapieren, die Die so genannten Maastricht-Kriterien (eigentlich der Verkäufer zu einem in der Zukunft liegenden Zeit- EU-Konvergenzkriterien) wurden 1992 im Vertrag punkt zum Verkauf anbietet, ohne in der Gegenwart be- von Maastricht zwischen den EU-Staaten vereinbart reits diese Wertpapiere zu besitzen. Bei ungedeckten und bildeten später die Grundlage für die Mitglied- Leerverkäufen hat sich der Verkäufer (im Gegensatz schaft in der Europäischen Währungsunion, also der zu gedeckten Leerverkäufen) noch nicht einmal einen Euro-Zone. Die drei wichtigsten Kriterien sind Preissta- Kaufanspruch auf Wertpapiere gesichert, die er selbst bilität, Haushaltsstabilität und die Stabilität der Zinssät- bereits weiterverkauft. Bei gedeckten Leerverkäu- ze von Staatsanleihen. In puncto Preisstabilität darf die fen besitzt der Verkäufer immerhin bereits einen Teil Inflation eines Landes nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte der Wertpapiere oder hat sich zumindest ein Vorkaufs- über der Durchschnittsinflation der drei stabilsten EU- recht auf die entsprechenden Wertpapiere gesichert. Länder liegen. Bei Leerverkäufen gewinnt der Verkäufer nur dann, wenn sich der Kurs für das gehandelte Wertpapier bis Das Kriterium der Haushaltsstabilität fordert von den zum tatsächlichen Verkaufszeitpunkt fällt, wenn er es EU-Staaten, dass ihre gesamte Staatsverschuldung nicht also in der Gegenwart zu einem teureren Preis verkauft, mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus- als er es kurz vor dem tatsächlichen Übergabezeitpunkt machen darf, die jährliche Neuverschuldung nicht mehr selbst kaufen muss. Bei Leerverkäufen wetten Spe- als drei Prozent des BIP. Außerdem darf der Zinssatz für kulanten also wie bei Derivaten (>> Derivate) auf die langfristige Staatsanleihen (siehe Staatsanleihen) nicht Kursentwicklung, ohne dass die Geschäfte durch real- mehr als zwei Prozent über den durchschnittlichen Zins- wirtschaftliche Werte gedeckt sind. Bei allen Diskussio- sätzen der drei stabilsten EU-Länder liegen. nen hinsichtlich effektiver Maßnahmen zu einer effizien- ten Regulierung der Finanzmärkte steht das Verbot von Offshore-Zentren Leerverkäufen an vorderster Stelle (>> Finanzmarkt- Als Offshore-Zentren bezeichnet man Standorte, regulierung). die sich durch niedrige Steuern und eine minimale Fi- nanzmarktaufsicht und -regulierung auszeichnen. An- Leistungsbilanzdefizit sässige Banken und andere Finanzinstitutionen wickeln Die Leistungsbilanz ist der Unterschied zwischen einen Großteil ihrer Geschäfte mit dem Ausland ab und den Exporten und Importen von Gütern, Dienstleistun- Transaktionen und Anlagesummen sind im Vergleich zu gen und bestimmten Kapitalerträgen und -transfers. Da den sonstigen Wirtschaftsabläufen extrem groß. Viele Seite 9
  • 10. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z Offshore-Finanzplätze liegen auf kleinen Inseln, Staat im Aufschwung bei steigenden Steuereinnahmen zumeist handelt es sich um ehemalige britische Kolo- seine Ausgaben erhöht und damit die steigende Nach- nien oder Dependenzen woher ursprünglich auch die frage noch weiter antreibt und im Wirtschaftsabschwung Bezeichnung stammte (offshore – dt.: außerhalb der bei sinkenden Steuereinnahmen seine Ausgaben redu- Küstengewässer liegend). Die Regulierung solcher Off- ziert, den allgemeinen Nachfragemangel verstärkt und shore-Finanzplätze, die mitunter als Steueroasen damit den Abschwung vertieft (>> Austeritätspolitik). fungieren gehört u.a. zu den zentralen Forderungen hinsichtlich einer effektiven Finanzmarktregulierung (>> Rating Finanzmarktregulierung). Mit einem Rating (wörtliche Übersetzung: Bewertung) wird in der Finanzwirtschaft die Sicherheit einer Anlage Private Equity bewertet. Ratings werden von Ratingagenturen (>> Private Equity (wörtlich übersetzt: privates Kapital) Ratingagenturen) in Form von Rating-Noten vergeben. bezeichnet „außerbörsliches Eigenkapital“, also die Be- Die Bestnote ist AAA, die schlechteste Note je nach teiligung privater Kapitalgeber an nicht-börsennotierten Ratingsystem C oder D. Nicht nur Aktien-Indizes und Unternehmen. Private-Equity-Gesellschaften (Ka- Anlageprodukte haben inzwischen ein Rating, auch pitalbeteiligungsgesellschaften) kaufen sich im Auftrag Staaten werden auf ihre Kreditwürdigkeit hin bewertet. privater Investoren (oft auch Hedgefonds (>> Hedgfe- Die Rating-Note eines Staates kann massive Auswirkun- fonds) bei Unternehmen ein. gen auf die Zinssätze haben, die er für seine Staatsan- liegen zahlen muss. Private-Equity Fonds beteiligen sich an Unterneh- men oder übernehmen diese ganz. Dann werden diese Ratingagenturen zerlegt: profitable Teile werden gleich verkauft, der Rest Ratingagenturen sind sind keine staatlichen oder wird profitabel gemacht und schließlich mit Gewinn öffentlich-rechtlichen Institutionen, sondern gewinn- veräußert. Private-Equity Firmen sind im Gegen- orientierte Privatunternehmen, die die Kreditwürdigkeit satz zu Hedge Fonds (>> Hedgfefonds) auch an klei- (Bonität) von Unternehmen, Staaten und Finanzproduk- nen Unternehmen interessiert oder an Unternehmen die ten bewerten. Die Agenturen fassen jedes Ergebnis (Ra- (noch) nicht an der Börse sind. Objekte sind privatisier- ting) in einem Ratingcode zusammen, der in der Regel te Firmen, KMUs, die Nachfolger suchen oder verkaufte von AAA bzw. Aaa (beste Qualität) bis D (zahlungsun- Tochterfirmen oder börsenotierte Unternehmern, die als fähig) reicht. Wer ein gutes Rating hat, kann sich auch unterbewertet eingeschätzt werden. Private-Equity günstiger verschulden und zu niedrigeren Zinsen Geld Fonds wollen ein Unternehmen in der Regel nach 3 bis ausborgen. Derzeit haben noch 6 Staaten der EURO- 4 Jahren mit Gewinn wieder abstoßen. Die sehr hohen Zone die beste Bewertung (dreifaches A, triple A): Renditeziele von 15 bis 40 % pro Jahr können durch Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Österreich, die „übliche“ Mittel wie Investitionen oder Produktivitätsstei- Niederlande und Finnland. gerungen nicht erreicht werden. Daher werden auch massiver Personalabbau und Verschlechterung der Be- Das internationale Finanzmarkt-Rating wird heute von zahlung eingesetzt. drei großen US-Ratingagenturen Fitch, Moody’s und Standard&Poor’s dominiert. An allen drei großen Der Kauf von Unternehmen wird von den Private- Agenturen sind auch Finanzinvestoren als Eigentümer Equity Gesellschaften oft über Kredit finanziert. beteiligt. Da Schuldner und nicht Investoren die größte Die Schulden werden aus den Barmitteln der übernom- Einnahmequelle der Agenturen darstellen, liegt hier die menen Firma abgezahlt. Die Erhöhung der Verschul- Gefahr eines Interessenkonfliktes nahe. dung (Fremdkapitalfinanzierung) stellt eine einfache Möglichkeit dar, die Rendite auf das dadurch viel gerin- Ratingagenturen sind im Verlauf der Finanzkrise gere Eigenkapital zu steigern. Die hohe Verschuldung ab 2007 in die Kritik geraten, weil sie hochriskante stellt ein hohes Risiko für die Unternehmen dar, sobald Finanzprodukte, die mit zum „Crash“ der Finanzmärk- die Wirtschaft in einen Abschwung gerät. te führten, als sichere Anlagen bewertet hatten. Auch ENRON und Lehman Brothers erhielten bis zum Zusam- Prozyklische vs konjunktur- menbruch Bestnoten. In der „Schuldenkrise“ verschie- gerechte Budgetpolitik dener Euro-Länder ab 2009 gerieten die Agenturen Eine prozyklische Budgetpolitik verstärkt konjunk- erneut in die Kritik, weil sie die Krise durch das will- turelle Schwankungen. Dies geschieht dann, wenn der kürlich wirkende Herabstufen der Ratings von Ländern Seite 10
  • 11. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z wie Griechenland, Portugal, Irland oder französischer konjunkturbereinigt auf 0,35 Prozent des Bruttoinland- Großbanken noch verschärften. Deshalb fordern Kriti- produktes (BIP) zu begrenzen. Werden in konjunktur- ker Ratingagenturen besser zu kontrollieren. In Eu- schwachen Phasen mehr Kredite aufgenommen, muss ropa wird über die Gründung einer europäischen Ra- dies in konjunkturell starken Phasen wieder ausgegli- tingagentur diskutiert, um die Macht der drei großen chen werden. US-Ratingagenturen zu brechen. Der Beschluss über die Einführung einer sog. Schul- Realwirtschaft denbremse ist wirtschaftspolitisch bedenklich (kon- Die Realwirtschaft bildet zusammen mit dem Fi- traktive Effekte) und wird zu massiven Sparpaketen nanzsektor (Finanzwirtschaft) die beiden grundlegen- führen. Die Schuldenbremse suggeriert, die Staats- den Teile der Gesamtwirtschaft. Die Realwirtschaft verschuldung wäre ein Problem unverantwortlicher besteht aus Dienstleistungs- und Industrieunternehmen Budgetpolitik, was angesichts der Finanz- und Wirt- sowie aus landwirtschaftlichen Betrieben, die konkre- schaftskrise mitnichten der Fall ist. Der Schuldenstand te Werte produzieren oder generieren. Im Gegensatz in der Eurozone sank von 72,8% vor ihrer Gründung dazu handelt die Finanzwirtschaft lediglich mit Finanz- auf 66,1% des BIP 2007. Erst die Bankenrettungen und werten. Ursprünglicher Zweck der Finanzwirtschaft war Konjunkturinvestitionen im Rahmen der Finanzmarkt- es, die Realwirtschaft mit Finanzmitteln und Krediten zu krise nach 2007 ließen die Staatsausgaben in den versorgen. Im Zuge der Deregulierung der internationa- meisten EU-Mitgliedsstaaten wieder enorm ansteigen. len Finanzmärkte hat sich die Finanzwirtschaft weitge- Eine Schuldenbremse kann zur Investitions-, Be- hend von der Realwirtschaft abgekoppelt, so dass schäftigungs- und Wachstumsbremse werden. Um die die gehandelten Finanzwerte oft nicht mehr von rea- 0,35% an strukturellem Defizit zu erreichen, müssten in len Werten gedeckt sind und die Gefahr von „Finanz- Österreich bis 2017 9 Mrd. EUR im jährlichen Budget blasen“ steigt. eingespart werden. Konjunkturelles Gegensteuern ist dann nur noch sehr eingeschränkt möglich. Rekapitalisierung der Banken Bankenrekapitalisierung bedeutet die Erhöhung Sixpack – Verschärfung des europäischen des Kernkapitals der Banken, entweder durch Finan- Stabilitätspaktes zierung am Markt oder durch staatliche Aufstockung Im 3. Quartal 2011 wurden vom EU Ministerrat und ihres Kapitals. Als ein Resümee der Finanzmarktkrise dem EU-Parlament in insgesamt 6 europäischen Rechts- wird eine höhere Eigenkapitalausstattung der Banken akten (daher der Begriff „Sixpack“) eine Verschärfung gefordert. Das Eigenkapital soll adäquat zu den Risiken des europäischen Stabilitätspaktes (>> Stabilitäts- und sein und ausreichen, um die Einlagen der Gläubiger Wachstumspakt) verabschiedet, mit dem Ziel die euro- nicht zu gefährden. Eine höhere Eigenkapitalquote soll päische Schuldenkrise zu überwinden. Defizitsünder die Banken bei Krisen widerstandsfähiger machen. Al- sollen früher und härter bestraft werden, die EU-Kom- lerdings bedeutet eine höhere Eigenkapitalquote auch, mission wird gestärkt. Dies stellt die größte Reform dass die Banken weniger Kredite vergeben können und der Währungsunion seit Einführung des Euro dar. Die damit auch geringere Umsätze und Gewinne erzielen. Kommission kann künftig in die nationalen Haushalts- planungen der 17 Euroländer eingreifen und bei der Schattenbanken Steuergesetzgebung und Sozialleistungen mitreden. Als Schattenbanken gelten Institutionen, die zwar Zudem kann sie Regierungen leichter als bisher zur bankenähnliche Finanzgeschäfte machen, aber nicht Senkung der Staatsausgaben oder anderen wirtschafts- als Finanzinstitut registriert sind. Bekanntestes Beispiel politischen Korrekturen zwingen und auch Kontrollen für Schattenbanken sind Hedgefonds (>> Hedge- vor Ort vornehmen: fonds). So soll es etwa zur vorweg Koordinierung der nationa- Schuldenbremse len Haushaltspolitiken sowie zur Beobachtung und zu Als Schuldenbremse werden institutionelle Selbst- Gegenmaßnahmen bei makroökonomischen Ungleich- bindungen bezeichnet, durch die Regierungen sich und gewichten kommen. Das jährliche Wachstum öffentli- zukünftigen Regierungen massiv die Möglichkeit ein- cher Ausgaben darf das mittelfristige Wirtschaftswachs- grenzen, Kredite zur Finanzierung von Staatsausgaben tum nicht überschreiten, es sei denn die Ausgaben sind aufzunehmen. Auch in Österreich soll der Bund darauf durch einnahmeseitige Maßnahmen gedeckt. Wenn verpflichtet werden, die jährliche Netto-Kreditaufnahme die öffentliche Verschuldung den Wert von 60% des BIP Seite 11
  • 12. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z übersteigt, muss die Abweichung im Schnitt der letzten schen und internationalen Großbanken „verschuldet“. 3 Jahre jährlich um ein Zwanzigstel reduziert werden. Darüber hinaus wird ein Verfahren der umgekehrten Staatsschuldenkrise Mehrheit eingeführt: Sanktionen bei Verfehlungen, die Die Staatsschuldenkrise im Euroraum ist eine Fol- die Kommission vorschlägt, gelten als verfehlt wenn der ge der Finanzmarktkrise seit 2008. Im Zuge der Ban- Rat nicht binnen 10 Tagen mit qualifizierter Mehrheit kenrettungen und der Wirtschaftskrise 2009 ist die dagegen stimmt. öffentliche Verschuldung in der EU stark ange-stiegen. Die Finanzmärkte waren bei manchen hochverschul- Der ÖGB kritisiert, dass mit diesem „Sixpack“ eine deten Staaten nur mehr bereit diesen zu sehr hohen beschäftigungswirksame Wachstumspolitik in der Zinsen Geld zu borgen, weshalb sich diese nicht mehr EU weiter erschwert werde, der einseitige Sparkurs refinanzieren konnten. 2010 hat Griechenland die tat- und die wirtschaftliche und soziale Krise in einigen sächliche Höhe seiner defizitären Haushaltslage sowie Mitgliedstaaten werden weiter verschärft. Ein neuer seines übermäßigen Verschuldungsgrads offengelegt Mechanismus zur Bekämpfung „makroökonomischer und konnte sich danach am Kapitalmarkt nicht mehr Ungleichgewichte“ soll schließlich Staaten mit einem ausreichend refinanzieren und damit auch die fälligen Leistungsbilanzdefizit auf einen strikt neoliberalen Kurs Schulden und Zinsen nicht mehr bedienen. Neben Grie- der Wettbewerbsfähigkeit bringen, notfalls auch mit chen-land mussten sich bislang auch Irland und Portugal Sanktionen. Die Politik von „Überschussstaaten“, die beim europäischen Rettungsschirm (>> ESFS - European mit niedrigen Lohnsteigerungen und Sozialabbau ihre Financial Stability Facility) Geld leihen. Wettbewerbsfähigkeit zu Lasten anderer Mitgliedstaa- ten erhöhen, bleibt dagegen weitgehend unangetastet. Staatsverschuldung Die Staatsverschuldung einer Volkswirtschaft wird Stabilitäts- und Wachstumspakt entweder in absoluten Zahlen der Landeswährung Der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt oder im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt als Pro- fordert im Wesentlichen, dass im Zusammenhang mit zentsatz angegeben. Für die Staatsverschuldung gibt dem Euro die Mitgliedsstaaten in wirtschaftlich norma- es verschiedene Definitionen und Begriffe: Der Gesamt- len Zeiten einen annähernd ausgeglichenen Staatshaus- schuldenstand eines Staates ist die Summe der Staats- halt sowie eine Begrenzung ihrer öffentlichen Verschul- anleihen (>> Staatsanleihen), mit denen der Staat bei dung beachten. Der im EU-Recht verbindlich festgelegte den Käufern der Staatsanleihen „verschuldet“ ist. Die Stabilitäts- und Wachstumspakt gibt die sog. Neuverschuldung ist die Differenz zwischen dem Ge- „Maastricht-Kriterien“ vor (>> Maastricht-Kriterien), wo- samtschuldenstand des aktuellen Jahres zum Vorjahr. nach Staaten die Höhe ihres jährlichen Haushaltsdefi- Sowohl der Gesamtschuldenstand als auch die Neuver- zits auf 3% ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) und den schuldung werden oft im Verhältnis zum BIP angege- Stand ihrer öffentlichen Verschuldung auf 60% ihres ben. Die Maastricht-Kriterien in den EU-Verträgen (>> BIPs begrenzen müssen. Die Euro-Teilnehmerstaaten Maastricht-Kriterien) sehen etwa eine Gesamtverschul- sind verpflichtet, dem ECOFIN-Rat (EU Finanzminis- dung von höchstens 60 Prozent des BIP und eine Neu- terrat) jährlich aktualisierte Stabilitätsprogramme vor- verschuldung von höchstens drei Prozent des BIP vor. zulegen. Steueroasen Staatsanleihen Als Steueroasen werden Staaten oder Gebiete be- Auch Staaten müssen sich für ihre Neuverschuldung zeichnet, die keine oder besonders niedrige Steuern „frisches“ Geld besorgen. Neben Steuereinnahmen ge- auf Einkommen oder Vermögen erheben und so für ben sie dafür sog. Staatsanleihen heraus. Wer eine Kapital aus Ländern mit höheren Steuersätzen attrak- Staatsanleihe kauft, gewährt dem Staat im Prinzip tiv sind. Steueroasen sind meist kleine Länder, die im einen Kredit zu einem bestimmten Zinssatz. Staaten Verhältnis zu den dort stattfindenden finanziellen Trans- können ihre Staatsanleihen entweder auf den nationa- aktionen und dem vorhandenen Kapital eine geringe len oder internationalen Finanzmärkten platzieren (also Wirtschaftsaktivität aufweisen und über eine wenig an Banken und Großanleger verkaufen) oder private regulierte Wirtschaftspolitik verfügen. Steueroasen Anlegern anbieten. Japan beispielsweise verkauft einen ermöglichen es Konzernen, Steuern zu sparen. Vermö- Großteil seiner Staatsanleihen an die eigenen Bürger/ gende Privatpersonen können durch Verlagerung ihres innen und inländische Investoren, Griechenland hinge- Wohnsitzes Steuerzahlungen entgehen. Dabei werden gen ist zu einem erheblichen Teil bei vielen europäi- Einkommen, die in Hochsteuerländern erzielt werden, Seite 12
  • 13. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z nicht dort versteuert. Steueroasen verwickeln größe- faule Kredite) in gebündelte Wertpapiere wie die ABS re Staaten, die umfangreiche öffentliche Leistungen zur (siehe Asset Backed Securities) und verkauften sie an Verfügung stellen, in einen Wettbewerb um niedrige Banken und Investoren (sog. Subprime-Markt). So Steuern. Das Tax Justice Network (eine NGO) schätzt gelangten die „faulen Kredite“ in den internationalen die durch Offshore-Finanzplätze (>> Offshore-Zentren) Finanzhandel und wurden zu einem wesentlichen An- entgangenen Steuereinnahmen auf weltweit etwa 255 stoß der Finanzkrise ab 2007 – daher auch der Begriff Milliarden Dollar pro Jahr. So werden etwa die entgan- Subprime-Krise. genen Steuereinnahmen der USA werden auf etwa 70 Milliarden Dollar geschätzt. Too big to fail - Systembanken Als systemrelevant oder too big to fail („zu groß, Stresstest für Banken um zu scheitern“) bezeichnet man Unternehmen, meist Stresstests sind ein Instrument des Risikomanagements. Finanzinstitutionen wie Banken oder Versicherungen Mittels Szenariotechniken werden hierbei die Auswir- bei denen man annimmt, dass sie allein aufgrund ih- kung einer außergewöhnlich starken Veränderung exo- rer Größe faktisch davor geschützt werden, insolvent gener Faktoren auf Unternehmen, Anlageportfolien, Ren- zu werden. Als Systembanken gelten Institute, de- diten oder ähnlichem untersucht. Auch das europäische ren Bestandsgefährdung aufgrund ihrer Größe, der Bankensystem wird seit 2010 Stresstests unterzogen. Intensität ihrer Interbankenbeziehungen und ihrer en- Bei diesem wird eine heftige Rezession simuliert, die mit gen Verflechtung mit dem Ausland erhebliche negative einem Einbruch an den Aktienbörsen und Turbulenzen Folgeeffekte bei anderen Kreditinstituten auslösen und am Markt für Staatsanleihen einhergeht. 2010 wurden zu einer Instabilität des Finanzsystems führen könnte. beim Stresstest insgesamt 91 europäische Großbanken Wenn Unternehmen oder Geschäftspartner davon aus- unter die Lupe genommen. Durchgefallen sind sieben gehen, ein Unternehmen sei aufgrund seiner Größe vor kleinere Institute, darunter fünf spanische Sparkassen. jeder Insolvenzgefahr geschützt, schafft dies Anreize, Den Stresstest 2011 haben von 90 geprüften Banken Risiken einzugehen, die ansonsten nicht eingegangen 8 Banken nicht und 16 nur knapp bestanden. würden. Structured Investment Vehicle (SIV) Tobin-Tax So genannte Structured Investment Vehicle (SIV) Die Tobin-Steuer (engl. Tobin-Tax) wurde 1972 von sind Zweckgesellschaften, die von Finanzinstituten ge- James Tobin vorgeschlagen. Diese Steuer sollte auf gründet werden, um Wertpapiere zu vertreiben, die internationale Devisengeschäfte eingehoben werden, auf Forderungen beruhen (also Kreditforderungen an um mit sehr niedrigen Steuersätzen auf sämtliche in- Schuldner oder Liefer- und Warenforderungen an Pro- ternationale Devisentransaktionen die kurzfristige Spe- duzenten und Dienstleister). Im Vorfeld der Finanzkrise kulation auf Währungsschwankungen einzudämmen. wurden verstärkt „faule Kredite“ (>> faule Kredite) von Eine Steuer, die alle Finanztransaktionen umfasst ist ein Banken in ein SIV ausgelagert, um sie zu „refinanzie- weitgehenderes Konzept als die Tobin-Tax, die nur ren“ – also zu verkaufen. Structured Investment Devisentransaktionen belastet hätte (>> Finanztransak- Vehicle wird in der Finanzwelt oft auch mit dem Be- tionssteuer). griff „Refinanzierungsstruktur“ bezeichnet. Troika Subprime – Subprime-Krise Im Zusammenhang mit der „Eurokrise“ bezeichnet der Subprime (engl. „unter Bestnote“ oder „zweitklas- Begriff Troika die drei Institutionen EU-Kommission, sig“) bedeutet im Geschäft mit Immobilienhypotheken Europäische Zentralbank (>> EZB) und Internationaler für private Kreditnehmer mit geringen Einkommen, die Währungsfonds (>> IWF). Diese Troika prüft die Kon- kaum kreditwürdig sind. Auf dem US-amerikanischen solidierungs- und Sparbemühungen der „Krisenländer“ Hypothekenmarkt wurden solche Kredite seit Anfang und gibt ein Votum ab, ob die jeweils nächste Kreditrate der 1990er Jahre massenhaft an Geringverdiener ver- aus dem „Rettungspaketen“ ausgezahlt werden kann. geben, später auch in UK und anderen europäischen Staaten. Die Subprime-Kreditnehmer konnten ihre Weltbank Raten nur so lange bezahlen, wie die Immobilienprei- Die Weltbank wurde ebenso wie der Internationale se stiegen und die Zinsen extrem niedrig blieben. Als Währungsfonds (>> IWF) 1944 in Folge der Konfe- dieser Effekt 2007 in den USA ausblieb, verpackten renz von Bretton Woods gegründet (>> Bretton Woods). viele Hypothekenanbieter die „faulen Kredite“ (>> „Weltbank“ ist der umgangssprachlich verwendete Seite 13
  • 14. FINANZMARKT- UND EUROKRISE VON A BIS Z Begriff für die „Weltbankgruppe“, der insgesamt fünf Zugespitzt haben sich die wirtschaftlichen Ungleichge- Organisationen angehören, darunter die Internationale wichte seit Ende der 1990er Jahre zwischen den USA Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Die Stimm- als größtem Defizitland und China, Deutschland sowie anteile der Mitgliedsländer der Weltbank richten sich Japan (abgesehen von den OPEC-Ländern) als den nach ihren Kapitaleinlagen. Die größten Anteilseigner größten Überschussländern. sind die USA (15,9 Prozent), Japan (6,8 Prozent) und China (4,4 Prozent). Deutschland hält vier Prozent an Auch innerhalb der Euro-Zone bestehen hohe Un- der Weltbank. gleichgewichte, die möglicherweise die europäische Währungsunion vor eine Zerreißprobe stellen werden. Aufgabe der Weltbank ist es, „wirtschaftliche Entwick- Während Griechenland, Spanien und Portugal hohe lung von weniger entwickelten Mitgliedstaaten durch Leistungsbilanzdefizite aufweisen, hat Deutschland seit finanzielle Hilfen, Beratung sowie technische Hilfe zu Einführung der Währungsunion seine Überschüsse aus- fördern und so zur Umsetzung internationalen Entwick- gebaut (>> Defizitländer/Überschussländer; Leistungs- lungsziele beizutragen“. Allerdings steht die Weltbank bilanzdefizite). auch in der Kritik, weil sie mit der das Prinzip der Priva- tisierung zur Grundlage ihrer Arbeit erklärt hat. Zinslastquote Ein Begriff, der häufig im Zusammenhang mit der Staats- Wirtschaftliche Ungleichgewichte verschuldung eines Landes genannt wird. Die Zinslast- Unter „globalen Ungleichgewichten“ werden größere quote gibt an, wie viel Prozent seines Gesamthaushalts Leistungsbilanzüberschüsse bzw. -defizit zwischen ver- ein Staat für die Zinstilgung seiner Staatsschulden aus- schiedenen Ländern und Ländergruppen verstanden. geben muss. Seite 14
  • 15. KONTAKTADRESSEN GPA-djp in Ihrer Nähe Ihre AnsprechpartnerInnen in den Bundesländern Service-Hotline: 05 0301-301 GPA-djp Service-Center 1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1 Fax: 05 0301-300, eMail: service@gpa-djp.at Regionalgeschäftsstelle Wien Regionalgeschäftsstelle Oberösterreich 1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1 4020 Linz, Volksgartenstraße 40 Regionalgeschäftsstelle Niederösterreich Regionalgeschäftsstelle Salzburg 3100 St. Pölten, Gewerkschaftsplatz 1 5020 Salzburg, Markus-Sittikus-Straße 10 Regionalgeschäftsstelle Burgenland Regionalgeschäftsstelle Tirol 7000 Eisenstadt, Wiener Straße 7 6020 Innsbruck, Südtiroler Platz 14-16 Regionalgeschäftsstelle Steiermark Regionalgeschäftsstelle Vorarlberg 8020 Graz, Karl-Morre-Straße 32 6900 Bregenz, Reutegasse 11 Regionalgeschäftsstelle Kärnten 9020 Klagenfurt, Bahnhofstraße 44/4 www.gpa-djp.at Seite 15
  • 16. Für alle, die mehr wollen! www.gpa-djp.at 1034 Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1 – Service-Hotline: 05 0301-301, service@gpa-djp.at – www.gpa-djp.at DVR 0046655, ZVR 576439352